Schweiz
UBS: «Verschieben keine Gelder nach Singapur»
Die Schweizer Grossbank UBS hat Vorwürfe zurückgewiesen, Singapur als Steuerschlupfloch für reiche deutsche Steuersünder anzubieten. Die Zahl deutscher UBS-Kunden nehme im Stadtstaat seit 2009 laufend ab.
Bild
Wir bieten Kunden ganz klar keine Hand zur Umgehung von bilateralen Steuerabkommen einschliesslich dem mit Deutschland», sagte der Chef des UBS-Vermögensverwaltungsgeschäfts, Jürg Zeltner.
Das gelte auch für das fernöstliche Finanzzentrum Singapur. «Singapur ist kein Steuerschlupfloch», betonte Zeltner. Die Vermögen deutscher UBS-Kunden in dem Stadtstaat nahmen nach Zeltners Worten ebenso wie die Zahl der Kunden selbst seit 2009 laufend ab.
Wenig deutsches Geld in Singapur
Heute mache Geld aus Deutschland deutlich weniger als ein Prozent der von UBS dort verwalteten Gelder aus, sagte der Manager, der von 2005 bis 2007 das Deutschland-Geschäft der grössten Schweizer Bank leitete.
Die Wirtschaftskommission (WAK) befragte Bundespräsidentin Eveline Widmer-Schlumpf am Nachmittag zum Steuerstreit mit Deutschland. Zur Sprache kam in der Kommission auch, dass Thema der Vermögensverschiebung nach Singapur. Für einen solchen Kapitalabfluss gebe es keine Anzeichen, sagte WAK-Präsident Christophe Darbellay.
Schweizer Banken wird vorgeworfen, sie würden deutschen Steuersündern helfen, ihr Vermögen vor dem Finanzamt in Sicherheit zu bringen, bevor das Steuerabkommen zwischen Deutschland und der Schweiz möglicherweise am 1. Januar in Kraft tritt.
CD mit Spuren nach Singapur
Eine Papierspur weise auch nach Singapur, hiess es in einem Bericht unter Berufung auf Insider im Umkreis des nordrhein-westfälischen Finanzministeriums. «Wir haben Hinweise, dass es möglicherweise neue Konstrukte gibt, in die das Geld fliesst und die vom Abkommen nicht erfasst sind», sagte NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans diese Woche der Zürcher «Sonntagszeitung».
SPD-Chef Sigmar Gabriel warf Schweizer Banken organisierte Kriminalität vor. Die von der SPD und Grünen regierten Bundesländer wollen das Steuerabkommen im Bundesrat kippen, da Steuersünder ihrer Ansicht nach dabei zu gut wegkommen.
Medienberichten zufolge kauften Behörden in Nordrhein-Westfalen in den vergangenen Wochen insgesamt vier CDs mit Bankdaten. In einem Fall soll es sich um Daten von UBS mit UBS-Daten gibt, sagte Zeltner. Die deutschen Behörden hätten nicht gesagt, welche Daten sie angeblich haben.
Sanktionen bis hin zur Entlassung
Seit dem Steuerstreit mit den USA in den Jahren 2008 und2009 habe die Bank in Steuerfragen strenge Regeln für ihre Mitarbeiter eingeführt, sagte Zeltner. Damals musste UBS rund 780 Millionen Dollar Strafe zahlen und mehr als 4000 Kundennamen an die amerikanischen Behörden ausliefern, um einer Klage wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung zu entgehen.
Seitdem werden die UBS-Anlageberater nach Zeltners Wortenverstärkt geschult. Die Mitarbeiter seien verpflichtet, die Steuergesetzte des jeweiligen Landes zu beachten. Er habe seinen Mitarbeitern klar gemacht, dass sie mit Sanktionen bis hin zu Entlassung rechnen müssten, wenn sie gegen Vorschriften verstossen, sagte Zeltner.
Massnahmen seit 2010
Bereits im Herbst 2010 habe UBS Massnahmen ergriffen, mit denen verhindert werde, dass Kunden beider Umgehung der damals erwarteten Steuerabkommen geholfenwerde. Wie viel Geld deutsche Kunden bei ihr angelegt haben, teilt die Bank nicht mit. Im Wealth Management ausserhalb Amerikas verwaltet UBS für reiche Kunden 783 Milliarden Franken.
Davon entfällt mit 336 Milliarden Franken ein grosser Brocken auf das europäische Ausland. Wachstum schaffte die Bank in dem Segment zuletzt nicht mehr. Reiche Kunden zogen im zweiten Quartal netto Geld ab. In der Region Asien/Pazifik stiegen die verwalteten Vermögen dagegen im gleichen Zeitraum um zwölf Prozent.
Die Lokalrivalen Credit Suisse und Julius Bär kauften sich im vergangenen Jahr mit Zahlungen von 150 Millionen und 50 Millionen Euro vom Vorwurf der Beihilfe zu Steuerhinterziehung frei.
(reuters/koua; schl)



