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International

Offener Brief: Putin soll Pussy Riot freilassen

Dienstag, 14. August 2012, 17:25 Uhr, Aktualisiert 18:21 Uhr

Die Verurteilung der Punkband Pussy Riot hat weltweit Aufsehen erregt. In einem offenen Brief an Kremlchef Wladimir Putin forderten nun Journalisten und Politologen die Freilassung der Bandmitglieder.

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«Wir wenden uns an Sie mit dem Appell, kein Urteil zuzulassen, das die Mädchen ins Gefängnis bringt», hiess es in dem Schreiben, das der Radiosender Echo Moskwy im Internet veröffentlichte. Unterzeichnet hat demnach auch der Reporter Andrej Kolesnikow, der Putin oft exklusiv begleitet.

Auszüge aus dem offenen Brief

«Sehr geehrter Herr Präsident!

Heute, da gezählte Stunden bis zur Urteilsverkündung im Fall der Punkgruppe Pussy Riot bleiben, wenden wir uns an Sie mit dem Appell, kein Urteil zuzulassen, das die Mädchen ins Gefängnis bringt.

Wir kennen die Gesetze unseres Landes – das Gericht gilt bei uns als unabhängig, und der Präsident hat kein Recht, sich in dessen Arbeit einzumischen. Aber wir kennen die reale Praxis und verstehen, dass in dem vorliegenden Fall das Schicksal der Angeklagten persönlich von Ihnen abhängt.

Sehr geehrter Wladimir Wladimirowitsch!

Wenn die Mädchen im Gerichtssaal freigelassen werden (...), werden viele das natürlich als Ihre Schwäche ansehen. Aber im Falle eines harten Urteils wird keiner der Richterin die Schuld geben, sondern Ihnen persönlich.

Wir appellieren nicht nur an Sie als Präsident, sondern auch an einen Mann, einen Offizier und einen Christen: Lassen Sie nicht zu, dass diese jungen Frauen noch weiter im Gefängnis sitzen.»

Die drei seit März inhaftierten Künstlerinnen erwarten an diesem Freitag (17. August) ihr Urteil wegen Rowdytums. Sie hatten in der Moskauer Erlöserkathedrale für Putins politisches Ende gebetet. Den drei jungen und kremlkritischen Frauen drohen mehrere Jahre Haft. Zwei der drei Frauen haben zwei kleine Kinder.

Putin zieht Daumenschraube an

Wegen des Prozesses sieht sich Ex-Geheimdienstchef Putin auch international massiver Kritik ausgesetzt. Trotzdem verteidigten 100 Tage nach Putins Rückkehr in den Kreml regierungsnahe russische Medien dessen scharfen Kurs gegen die Opposition. Bürgerrechtler kritisierten hingegen, Putin ziehe die Daumenschraube schärfer an als je zuvor.

Er war am 7. Mai, nach vier Jahren Unterbrechung auf dem Posten des Regierungschefs, zum dritten Mal als Präsident vereidigt worden. Seine Wahl am 4. März wurde von Fälschungsvorwürfen und beispiellosen Massenprotesten gegen die Dauerherrschaft Putins überschattet.

Beobachter rechnen damit, dass die Kundgebungen im Herbst wieder aufflammen. Gemäss Umfragen unterstützt angeblich eine Mehrheit der Russen das harte Vorgehen gegen die Opposition. Putin wolle das politische System mit einem «durchdachten Kurs» stabilisieren, erklärte der Politologe Dmitri Orlow in der Zeitung «RBC Daily».

Das Regierungsblatt «Rossijskaja Gaseta» präsentierte Putin als umtriebigen Staatschef. In seinen ersten 100 Tagen habe der Präsident 18 Städte in Russland und 12 Staaten besucht. Er habe 14 Gesetze in der Staatsduma eingebracht und 105 unterschrieben.

«Effiziente Gesellschaft»

Die Zeitung «Komsomolskaja Prawda» schrieb, es sei ein Beitrag zur Entwicklung einer effizienten Gesellschaft, dass sich etwa vom Westen finanzierte Organisationen per Gesetz als «ausländische Agenten» zu erkennen geben müssten.

Allein in der zweiten Dezemberhälfte 2011 hätten die USA und Grossbritannien 1,7 Milliarden Rubel (43,3 Millionen Franken) an russische Nichtregierungsorganisationen ausgeschüttet, kritisierte «Komsomolskaja Prawda» weiter. Damit sei klar geworden, dass genaue Kriterien für diese Form der Unterstützung nötig seien.

(agenturen/muei; kunb)