International
Affäre um Geheimdokumente aus dem Vatikan – eine Chronologie
Mitte Februar hat die linke italienische Zeitung «Il Fatto Quotidiano» erstmals aus vertraulichen Dokumenten aus dem Vatikan zitiert. Seither jagten sich Gerüchte und Anschuldigungen. Hier ein Rückblick.
10. Februar 2012
Die linke italienische Zeitung «Il Fatto Quotidiano» zitiert aus einem vertraulichen Dokument, das einen möglichen Anschlag auf den Papst thematisiert. Der Vatikan weist den Bericht zurück. Kenner halten es aber für möglich, dass der Vorgang Teil eines Machtkampfes an der Spitze der römischen Kurie sein könnte.
14. Februar
Der Sprecher von Papst Benedikt XVI. kritisiert die Veröffentlichung von internen Informationen, die «auf illoyale Weise» nach aussen gedrungen seien. Dabei ging es auch um das Finanzgebaren des Vatikans und der Vatikanbank IOR. Er spricht das erste Mal von «Vatileaks» in Anlehnung an die Enthüllungsplattform «Wikileaks».
17. März
Der Vatikan leitet Ermittlungen ein. Papst Benedikt ernennt eine Kommission, um «Licht in die Angelegenheit zu bringen».
25. Mai
Der Präsident der Vatikanbank IOR, Ettore Gotti Tedeschi, nimmt nach einem Misstrauensvotum des Aufsichtsrats seinen Hut. Medien spekulieren über Zusammenhänge mit der «Vatileaks»-Affäre.
26. Mai
Nach Angaben des Vatikans wird in der Affäre gegen den päpstlichen Kammerdiener Paolo Gabriele ermittelt. Er soll die Papiere entwendet und weitergereicht haben. Wegen schweren Diebstahls sitzt er in Untersuchungshaft. Es kursieren Gerüchte über Mittäter.
30. Mai
In seiner ersten öffentlichen Stellungnahme kritisiert Papst Benedikt XVI. die Medien. Sie hätten «ein Bild vom Heiligen Stuhl gezeigt, das nicht der Realität entspricht».
3. Juni
Die Zeitung «La Repubblica» berichtet, ein anonymer Informant habe ihr drei neue Schreiben aus dem Vatikan zugespielt. Der Kammerdiener sei möglicherweise nur «ein kleiner Fisch».
5. Juni
Gabriele wird im Vatikan erstmals vernommen.
21. Juli
Der Kammerdiener kann seine Zelle verlassen und steht fortan unter Hausarrest, wie der Vatikan mitteilt. Kurz darauf bittet er den Papst nach Medienberichten in einem Brief um Verzeihung. Er habe keine Komplizen gehabt.
13. August
Wegen schweren Diebstahls muss sich Gabriele vor Gericht verantworten, wie italienische Medien berichten. Wegen Beihilfe habe der Vatikan Anklage gegen einen weiteren Angestellten erhoben. Der Prozess werde voraussichtlich im Oktober beginnen.
(dpa/fref; engf)







