International
Syrischer Oppositionsführer fordert Flugverbotszone
Während die Gewalt in Syrien immer weiter eskaliert, werden Stimmen laut, eine Flugverbotszone einzuführen. Nachdem die USA und die Türkei bereits über eine solche Zone nachdenken, fordert dies nun auch die syrische Opposition.
Bild
Zum Schutz der Rebellen sollten ferner international gesicherte Bereiche an den Grenzen zu Jordanien und der Türkei geschaffen werden, sagte der Chef des Syrischen Nationalrats, Abdelbasset Sida, der Nachrichtenagentur Reuters. Dies sei sehr wichtig, um «dem Regime deutlich zu machen, dass seine Macht Stück für Stück schwindet».
Es gebe Gegenden, die befreit worden seien, sagte Sida in einem Telefongespräch aus Istanbul. «Aber das Problem sind die Flugzeuge, die zusätzlich zum Artilleriefeuer töten und zerstören.»
Auch USA und Türkei wollen eine Flugverbotszone
Zuvor hatte US-Aussenministerin Hillary Clinton nach Gesprächen in Istanbul mitgeteilt, dass ihr Land und die Türkei die Einrichtung einer Flugverbotszone über Syrien erwägen, um die syrischen Rebellen im Kampf gegen Präsident Baschar al-Assad zu unterstützen. Ein Flugverbot müsste militärisch durchgesetzt werden, den der Westen auch mit Blick auf Syriens Verbündete Russland und China bislang vermeidet.
Im vorigen Jahr hatten viele westliche Länder den Kampf libyscher Rebellen gegen Machthaber Muammar Gaddafi mit einer Flugverbotszone entscheidend unterstützt.
Assads Truppen bekämpfen weiter syrische Rebellen
Die syrische Armee hat nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten weiter Quartiere von Aleppo beschossen. Neben dem strategisch wichtigen Stadtteil Salaheddin würden vier weitere Quartiere attackiert, erklärte die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.
Demnach waren am Morgen auch in der Hauptstadt Damaskus Schüsse zu hören. Beschossen worden seien zudem die Ortschaften Al-Tal und Harista in der Provinz Damaskus. Kämpfe gab es den Angaben zufolge auch in Ortschaften der südlichen Provinz Daraa.
«Bewaffnete Terrorgruppe»
Ein Reporter der amtlichen syrischen Nachrichtenagentur Sana ist nach deren Angaben in seiner Wohnung in einem Vorort von Damaskus ermordet worden. Ali Abbas sei am Samstagabend im Stadtteil Dschdaidet Artus getötet worden, berichtete Sana.
Für die Tat machte die Agentur eine «bewaffnete Terrorgruppe» verantwortlich. Diesen Ausdruck verwendet das syrische Regime für seine Gegner. Nähere Einzelheiten wurden nicht mitgeteilt.
Leichenschändungen in Al Bab
In Al Bab, im Nordosten von Aleppo, ist es zu schrecklichen Szenen gekommen. Ein Video zeigt, wie syrische Rebellen unter den Augen vieler Zuschauer Leichen von Regimeanhängern von einem Dach werfen.
Nach Angaben der Beobachtungsstelle waren allein am Samstag landesweit mindestens 148 Menschen getötet worden, unter ihnen 85 Zivilisten. Die Zahlen lassen sich nicht unabhängig überprüfen.
Treffen der arabischen Staaten
Im saudiarabischen Dschiddah kommen die Aussenminister der arabischen Staaten zusammen, um über den weiteren Umgang mit dem Konflikt und die Nachfolge für den scheidenden Syrien-Sondergesandten Kofi Annan zu beraten.
Der gemeinsame Vermittler von UNO und Arabischer Liga hatte sein Ausscheiden für Ende August angekündigt und den Umgang der Staatengemeinschaft mit dem Syrien-Konflikt als zu unentschlossen kritisiert. Als Favorit für seine Nachfolge gilt der frühere algerische Aussenminister Lakhdar Brahimi. Hier mehr zu Brahimi.
Im Laufe des seit 17 Monaten währenden Aufstands gegen Präsident Baschar al-Assad ist es mehrfach zu Angriffen auf regimetreue Medien gekommen. So explodierte am vergangenen Montag in Damaskus im Gebäude des staatlichen Radio- und Fernsehens eine Bombe. Mehrere Menschen wurden dabei verletzt.
Laut der Beobachtungsstelle wurden insgesamt bereits über 21'000 Menschen getötet. Dazu zählt die Organisation auch Aufständische, die vor dem Bürgerkrieg keine Soldaten waren.
(agenturen/godc/mihm;gern)



