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International

Neue Angriffe gegen ägyptische Polizei

Sonntag, 12. August 2012, 5:17 Uhr, Aktualisiert 14:25 Uhr

Bei Kämpfen im Norden der Sinai-Halbinsel sind nach Informationen des ägyptischen Staatsfernsehens neun Menschen getötet worden. Unter den Opfern sollen sowohl Soldaten als auch Islamisten sein.

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Von Seiten der Sicherheitskräfte war zu dem Zwischenfall zunächst lediglich zu erfahren, dass es bei der Ortschaft al-Gura im Norden des Sinai Kämpfe gegeben habe. Der Einsatz richtete sich demnach gegen Männer, die mit Raketenwerfern, Granaten und Schnellfeuergewehren bewaffnet waren. 

Es habe mehrere Tote gegeben, hiess es von Seiten des Militärs. Das Fernsehen wurde konkreter und sprach von drei getöteten Soldaten und sechs weiteren Toten.

Mutmassliche Extremisten angeklagt

Der neue ägyptische Präsident Mohammed Mursi hatte die Offensive gegen die Extremisten angeordnet und Hunderte Soldaten in das Gebiet entsandt. Bis zu 20 mutmassliche Extremisten sollen nach Armeeangaben seitdem getötet worden sein.

Die ägyptischen Behörden haben im Zusammenhang mit der Tötung der 16 Grenzpolizisten Anklage gegen fünf der mutmasslichen Extremisten erhoben. Ihnen wird die Ausbildung von Dschihadisten vorgeworfen, wie ein Sicherheitsbeamter  mitteilte. Demnach sollen einige der Angeklagten auch an früheren Angriffen auf Polizeiwachen sowie an Menschen- und Waffenhandel zwischen Ägypten, dem Gazastreifen und Israel beteiligt gewesen sein.

Die fünf Angeklagten gehören zu den ersten der Islamisten, die nach dem Angriff auf den Grenzübergang Rafah verhaftet worden waren.

Extremisten aus dem Gazastreifen

Ägyptische Sicherheitskreise machen unterdessen palästinensische Extremisten für die jüngsten Angriffe auf der Halbinsel Sinai mit 16 Toten verantwortlich. Angehörige der sogenannten Dschaldschala-Armee aus dem Gazastreifen hätten sich schon seit längerem darauf vorbereitet. Sie wollten das ägyptische Militär angreifen, um auf dem Sinai ein «islamistisches Emirat» zu errichten, schrieb die regierungsnahe Kairoer Tageszeitung «Al-Ahram».

Nach dieser Darstellung soll die Gruppe 1500 Mann in ihren Reihen haben, unter ihnen Dschihadisten aus Ägypten und anderen arabischen Ländern.

Erneuter Angriff auf ägyptische Armee (Tagesschau, 08.08.2012)

Israel ob instabilem Sinai besorgt

In der Sinai-Wüstenregion leben Beduinenstämme, die sich von der Regierung in Kairo im Stich gelassen fühlen, aber auch antiisraelische Extremisten, Waffen- und Drogenschmuggler sowie Al-Kaida-Sympathisanten. Seit dem Sturz des langjährigen Präsidenten Husni Mubarak im vergangenen Jahr hat sich die Sicherheitslage in dem Gebiet verschlechtert. Israel befürchtet, dass der Sinai sich zum Rückzugsgebiet für Islamisten entwickelt, die von dort aus gemeinsam mit Extremisten aus dem Gazastreifen Anschläge auf den jüdischen Staat verüben könnten und so den Friedensvertrag mit Ägypten gefährden.

Auch Ägyptens Präsident Mursi wird dadurch in eine schwierige Lage gebracht. Er muss sich gegen Vorwürfe wehren, wegen seiner Nähe zu den islamistischen Muslimbrüdern möglicherweise nachgiebiger mit den Extremisten umzugehen.

Ausgabe von oppositioneller Zeitung konfisziert

Wegen Vorwürfen der Präsidentenbeleidigung haben die ägyptischen Behörden derweil die Samstagausgabe einer privaten oppositionellen Tageszeitung beschlagnahmt. Ein Gericht in Kairo ordnete die Einziehung der Exemplare der Zeitung «Al Dustur» an. Dies geschah, nachdem mehrere Klagen wegen «Schürens von Aufruhr» und «Beschädigung des Präsidenten durch gesetzlich strafbare Sätze und Wörter» eingereicht worden waren, wie die amtliche Nachrichtenagentur MENA berichtete. In der Ausgabe hatte die Zeitung zum Widerstand gegen die Muslimbruderschaft aufgerufen.

Das Boulevardblatt gehört einem christlichen Unternehmer und hatte Präsident Mursi und die Muslimbruderschaft bereits in den vergangenen Wochen scharf kritisiert. Zugleich hatte das Blatt Partei für den Militärrat ergriffen, der nach dem Sturz von Mubarak Anfang vergangenen Jahres die Macht übernommen hatte.

(agenturen/halp)