International
Israel plant angeblich Militärschlag gegen Iran
Dem Pulverfass im Nahen Osten droht die Explosion. Israel erwägt einen militärischen Alleingang gegen das iranische Atomprogramm. Stimmen Zeitungsberichte, dann könnte dies noch vor der US-Präsidentenwahl im November geschehen.
Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Ehud Barak hätten den Entschluss zum Schlag gegen den Irak schon «fast endgültig» gefasst, berichtete die Zeitung «Times of Israel». Zu einer ähnlichen Einschätzung kam auch die Zeitung «Jediot Achronot».
Israel betrachtet das iranische Atomprogramm als derzeit grösste Bedrohung seiner Existenz. Die Führung in Teheran bestreitet hingegen, dass sie unter dem Deckmantel einer zivilen Forschung Atomwaffen entwickeln lässt.
Bombe mit allen Mitteln verhindern
Unklar bleibt, ob Israel tatsächlich einen Angriff plant oder Druck macht, damit sich der Iran in den Atomgesprächen mit den fünf UNO-Vetomächten und Deutschland bewegt. Nach einer Umfrage der Zeitung «Maariv» würden 40 Prozent der befragten Israelis einen Alleingang gutheissen. 35 Prozent würden es hingegen lieber den USA überlassen, militärisch gegen den Iran vorzugehen.
Dieses Ergebnis bedeute «grünes Licht» für Netanjahu, kommentierte «Maariv». Netanjahu misstraue der Zusicherung von US-Präsident Barack Obama, die USA werde eine mögliche iranische Atombombe notfalls mit militärischen Mitteln verhindern, heisst es in dem neuen Bericht.
Zeit zum Militärschlag wird knapp
Die USA hätten Israel weder Pläne für ein militärisches Eingreifen vorgelegt noch habe Obama einen Angriff ausdrücklich zugesagt, falls Sanktionen und diplomatischer Druck keinen Erfolg haben. Ausserdem sei Obama dafür bekannt, dass er Militäreinsätze nicht ohne Zustimmung der Vereinten Nationen und der Arabischen Liga befehle.
Dies alles habe Netanjahu zu der Überzeugung gebracht, dass Israel allein handeln müsse. Angesichts seiner im Vergleich zu den USA geringeren militärischen Schlagkraft bleibe Israel nur noch wenig Zeit, das iranische Atomprogramm wirkungsvoll zu treffen, heisst es weiter.
Je mehr Atomanlagen die Iraner in Bunker tief unter der Erde verlegten, desto geringer würden die Chancen auf einen Erfolg, laute Netanjahus Einschätzung. Für ihn gehe es darum, einen «iranischen Plan zur Vernichtung der Juden» zu verhindern. Im Vergleich dazu seien die von Teilen des Sicherheitsapparates für zu hoch empfundenen Risiken weniger bedeutend.
(dpa/maiu;godc)



