Inhalt

International

Neue Runde in Chinas Giftmordprozess

Freitag, 10. August 2012, 15:58 Uhr, Aktualisiert 19:01 Uhr

Einen Tag nach dem Giftmordprozess gegen die Ehefrau des abgesetzten Spitzenpolitikers Bo Xilai sind in China ranghohe Polizisten vor Gericht gestellt worden. Diese sollen den Mord von Gu Kailai an einem britischen Unternehmer gedeckt haben.

Bild

Nach Medienberichten wurde ihnen in dem Prozess in der ostchinesischen Stadt Hefei Rechtsbeugung und Begünstigung zur Last gelegt. Die Polizisten sollen inzwischen eingeräumt haben, den Mord vertuscht zu haben, um Gu zu schützen. Sie haben demnach die wahre Todesursache vertuscht – statt von Vergiftung war von exzessivem Alkoholkonsum die Rede. Auch liessen sie die Leiche einäschern, um eine Autopsie zu vermeiden. Dies sagte ein Justizbeamter.

Gu Kailai soll den 41 Jahre alten Briten mit Hilfe eines Hausangestellten in einem Luxushotel der Stadt Chongqing vergiftet haben. Das Motiv ist unklar. Hintergrund soll nach Angaben der Ermittler ein Streit um Geld gewesen sein. Der Brite Neil Heywood war ein alter Freund von Gu und Bo.

Innenpolitische Krise

Gu gestand den Mord, nachdem sie der Anklage zunächst nicht widersprochen hatte. Ausserdem entschuldigte sie sich für diese «Tragödie». Sie könnte zum Tode verurteilt werden, was Beobachter aber für unwahrscheinlich halten. Einen Termin für die Urteilsverkündung gibt es noch nicht.

Bereits vor der Mordanklage gegen seine Frau war Bo Xilai (63) wegen Korruptionsverdachts als Parteichef der 30-Millionen-Metropole Chongqing abgesetzt worden. Danach verlor er auch seinen Sitz im mächtigen Politbüro. Der Fall hat Chinas Kommunistische Partei in die schwerste Krise seit dem Machtkampf im Vorfeld der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung im Jahre 1989 gestürzt.

Verrat zur Last gelegt

Nach Medienberichten aus Hongkong soll nächste Woche auch dem früheren Polizeichef von Chongqing, Wang Lijun, der Prozess gemacht werden. Dieser war jahrelang Bos Verbündeter gewesen, hatte aber im Februar die Affäre ans Licht gebracht.

Wang war damals kurzzeitig in das US-Konsulat der Stadt Chengdu geflohen und hatte dort von dem Mordverdacht gegen Bos Frau berichtet. Er soll sich danach der Polizei gestellt haben. Ihm werde Verrat zur Last gelegt, hiess es.

(dpa/muei/mery;godc)