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International

Falsches Spiel mit falschen Grenzen

Freitag, 10. August 2012, 17:13 Uhr

Die tschechische Polizei geht einem Verbrechen nach, das die frühere tschechoslowakische Geheimpolizei (StB) begangen hat. Es liegt bereits über fünfzig Jahre zurück und gilt als «weisser Fleck» in der Geschichte der Tschechoslowakei.

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Das Verbrechen: Die StB hat gemäss tschechischer Polizei zwischen 1948 und 1951 innerhalb der Grenzen der ehemaligen Tschechoslowakei falsche Grenzen gezogen. Mit dem Ziel, Flüchtlinge daran zu hindern, in den Westen zu gelangen. Meistens lagen die Grenzen bis zu 50 Kilometer vor den tatsächlichen Grenzen – eine befand sich gar innerhalb einer Militärzone nahe Prag.

Der Chef der Abteilung zur Aufklärung kommunistischer Verbrechen, Pavel Bret, schildert weiter: Die Flüchtlinge hätten einen vermeintlichen Helfer der StB bekommen. Doch der begleitete sie nicht über die richtige Grenze, sondern fuhr mit ihnen so lange umher, bis sie die Orientierung verloren haben. Und bis sie glaubten, in West-Deutschland oder Österreich zu sein, so der Chef.

Verwandte wurden verfolgt

Das Spiel ging noch weiter: Dann trafen die Flüchtlinge schliesslich auf Agenten, verkleidet mit Uniformen der Alliierten. Diese fragten die Ausreisewilligen, ob sie die Namen von Menschen in der Tschechoslowakei nennen könnten, die als Kontakte für westliche Geheimdienste dienen könnten. «Viele dieser Menschen wurden anschliessend verfolgt und verurteilt», sagte Bret. Die Flüchtlinge selbst wurden tschechoslowakischen Grenzschützern übergeben.

Bei den falschen Grenzen handelt sich um einen «weissen Fleck» in der Geschichte der Tschechoslowakei. Die Opfer zögerten, über ihre Erinnerungen zu sprechen. Sie fühlten sich schuldig. Denn jene, deren Namen sie preisgegeben hatten, wurden anschliessend verfolgt.

Knapp 300 Flüchtlinge wurden auf dem Weg in den Westen zur Zeit des Kalten Krieges von Grenzschützern der Tschechoslowakei erschossen.

(sda/mery;horm)