International
Brahimi soll als UNO-Notnagel nach Syrien
Ein 78-Jähriger soll schaffen, woran sein Ex-Chef scheiterte: Lakhdar Brahimi folgt angeblich Kofi Annan als Syrienvermittler. Der Algerier ist der Mann für Krisen bei der UNO – aber nicht immer erfolgreich.
Als Lakhdar Brahimi Ende 2005 in den Ruhestand ging, war sein Engagement noch lange nicht erlahmt. Der Algerier blieb bei den Vereinten Nationen ein gefragter Mann, wenn es um die Lösung von Krisen ging.
Südafrika, Haiti, Libanon, Liberia, Jemen, Kongo und immer wieder Afghanistan. Brahimi ist mittlerweile 78 – und dennoch als neuer Sonderbeauftragter für Syrien im Gespräch.
Bekannt wurde der Nordafrikaner 1994 in Südafrika, wo er als Chef der UNO-Mission die ersten fairen Wahlen mitorganisierte. Aber da hatte er schon internationale Erfahrung bei der Arabischen Liga gesammelt, für die er im Bürgerkrieg des Libanon vermittelte. Von 1991 bis 1993 war Brahimi Aussenminister seines Heimatlandes.
Kritik am «Arbeitgeber»
Es folgten UNO-Stationen in der ganzen Welt, tiefe Spuren hinterliess er aber auch im Hauptquartier selbst. Im Jahr 2000 veröffentlichte er einen Untersuchungsbericht zu Friedensmissionen. Quintessenz: Die Bemühungen der Vereinten Nationen seien höchst ehrenvoll, oft sei die Wirkung aber gering.
Der «Brahimi-Report» wird noch heute auf den Fluren des UNO-Hochhauses zitiert, UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon nannte ihn vor zwei Jahren «einen Meilenstein in der Entwicklung von Friedensmissionen».
Besonders oft war Brahimi in Afghanistan. Der damalige UNO-Generalsekretär und jetzt scheidende Syrienvermittler Kofi Annan hatte ihn 1997 in das Land geschickt, doch wirkliche Veränderungen konnte der Algerier unter den Taliban nicht bewirken.
Brahimi gab auf. Nach dem Sturz der Islamisten durch eine von den USA geführte Militärintervention kehrte er zurück und organisierte die historische Sitzung auf dem Bonner Petersberg. Nach seiner Zeit in Afghanistan leitete er die UNO-Mission im damals noch unruhigeren Irak.
Wirkung wird angezweifelt
Auch auf den Ruheständler Brahimi – ein ständig zu Scherzen aufgelegter Vater von drei Kindern – mochten die Vereinten Nationen nicht verzichten. Der Algerier wurde immer wieder aktiviert, etwa in der Sudankrise.
Dennoch bleibt fraglich, ob der 78-Jährige den Syrienkonflikt lösen kann, an dem sein Ex-Chef Annan scheiterte: Das Regime in Damaskus will auf keinen Fall auf seine Macht verzichten, die Opposition fordert aber einen Neuanfang nur mit neuen Leuten.
(dpa/gern;schj)



