Inhalt

US-Wahlkampf 2012

US-Wahlen: Hat Romney Jobs ins Ausland verschoben?

Karin Bauer, New York
Donnerstag, 9. August 2012, 16:51 Uhr, Aktualisiert 23:30 Uhr

US-Präsident Barack Obama wirft seinem Herausforderer Mitt Romney vor, in seiner Zeit als Manager Arbeitsplätze von den USA in Billiglohnländer verlagert zu haben. Tatsächlich hat Romneys Firma Bain Capital hunderte von Jobs abgebaut oder verlagert. Umstritten aber ist, ob Romney dafür verantwortlich gemacht werden kann.

Bild

Die gegenseitigen Attacken der zwei Kandidaten für den mächtigsten Job der USA verschärfen sich: In einer Welle von TV-Spots verhöhnt das Obama-Lager den Republikaner Romney. In den Spots singt Romney einen patriotischen Song, während gleichzeitig der Slogan «Romneys Firmen lagerten Arbeitsplätze nach Mexico und China aus» durchs Bild schwebt.

Schlammschlacht im US-Wahlkampf (10vor10, 09.08.2012)

Unabhängige Fakten-Checker sind sich uneinig, ob dieser Vorwurf stimmt. Bei der Nicht-Regierungsorganisation Factcheck.org sagt Journalist Eugene Kiely, dass Romney die Beteiligungsfirma Bain Capital als CEO bereits verlassen hatte, als es zur Auslagerung von Arbeitsplätzen kam.

Das genaue Austrittsdatum Romneys aus seiner Firma ist aber der springende Punkt. Alleinaktionär Romney verliess seine Firma in Boston offiziell im Februar 1999, um in Salt Lake City die Olympischen Spiele zu leiten. Laut den bei der US-Börsenaufsicht eingereichten Akten figuriert er aber bis 2001 als «CEO, Präsident und Managing Director» von Bain Capital.

Auch Romneys ehemaliger Geschäftspartner Geoffrey Rehnert liess sich vor drei Jahren noch damit zitieren, dass Romney die Firma bis 2001 kontrolliert habe. Heute reagiert er unwirsch auf die Nachfrage von «10vor10»: «Kontrolle ist etwas anderes als managen.» Wir sollten diese Frage doch besser der Romney-Kampagne stellen.

Romney bleibt bei ursprünglicher Darstellung

Romney wacht peinlich genau über seine Medienauftritte und er hat sich bei europäischen Journalisten unbeliebt gemacht, als er sich weigerte, auf spontane Fragen zu antworten. Als er aber wegen dem Austrittsdatum bei Bain Capital unter Druck kam, gewährte er innert Stunden mehreren Fernsehsendern Interviews mit immer derselben Aussage: «Es gibt einen Unterschied zwischen einem Aktionär und Besitzer und jemandem, der eine Firma leitet.» Nach Februar 1999 habe er keinerlei Managementfunktion bei Bain Capital mehr gehabt.

Bild Werbeplakat mit dem Satz: «Als Mitt Romney Geschäftsmann war, haben seine Firmen Jobs nach Mexiko verschoben».
Anti-Romney-Plakat aus dem Obama-Lager: «Als Mitt Romney Geschäftsmann war, haben seine Firmen Jobs nach Mexiko verschoben». pd

Bei Factcheck.org glaubt man ihm, dass er nicht mehr ins Tagesgeschäft involviert war. Anders sieht das Rechtsprofessorin Roberta Karmel. Die ehemalige Beauftragte der Börsenaufsicht sagte «10vor10», Romney wolle sich aus der Verantwortung ziehen. Seine heutige Aussage widerspreche seiner Erklärung gegenüber der Börsenaufsicht. Keine Lappalie: «Falsche Angaben auf offiziellen Dokumenten sind strafbar».

Romney will 100‘000 Jobs geschaffen haben

Mitt Romney hat mehrfach erklärt, 100'000 Arbeitsplätze während seiner Zeit bei Bain Capital geschaffen zu haben. Rechercheur Eugene Kiely hat bei der Romney-Kampagne nachgefragt: «Dabei zeigte sich, dass sie auch Jobs dazu zählten, die nach Februar 1999 geschaffen wurden. Man kann nicht beides haben». Romney scheint die Verantwortung nur für die guten Firmenzeiten übernehmen zu wollen.
Glaubt man seinem ehemaligen Geschäftspartner Geoffrey Rehnert, dann existiert gar keine Statistik zur Entwicklung der Arbeitsplätze bei Bain und den Firmen, die die Beteiligungsgesellschaft saniert hatte. Jobs zu zählen, sei nicht Teil seines Mandats gewesen. Rehnert: «Der Erfolg misst sich allein daran, wie viele Dollars die Investoren bekommen.»

Für die Investoren und Manager erwies sich Bain Capital als äusserst profitabel. Die Firma hat Romney zu einem geschätzten Vermögen von rund 250 Millionen Dollar verholfen. 

Unbestritten ist: Als Gouverneur tat sich Romney nicht als Arbeitsplatzbeschaffer hervor. Als er den US-Bundesstaat Massachusetts von 2003 bis 2007 leitete, wurden weniger Jobs geschaffen als in den meisten anderen Staaten und auch weniger als im nationalen Durchschnitt.