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International

Mordprozess in China beendet – Warten aufs Urteil

Donnerstag, 9. August 2012, 10:54 Uhr, Aktualisiert 21:31 Uhr

Nur ein Tag hat der Prozess gegen die Frau des entmachteten Politikers Bo Xilai gedauert. Jetzt muss Gu Kailai auf den Entscheid des Gerichts warten. Ihr drohen zehn Jahre Haft – oder die Todesstrafe.

Bild Bo Xailai, Neil Heywood und Gu Kailai. (reuters)
Bo Xailai, Neil Heywood und Gu Kailai (v.l.): Die drei sollen Freunde gewesen sein. reuters

Gegen Gu und eine Hausangestellte wurde im Juli Anklage wegen Mordes an den britischen Geschäftsmann und Freund der Familie Neil Heywood erhoben. Sie soll Heywood im November letzten Jahres in einem Luxushotel in Chongqing vergiftet haben. Dem soll ein Streit zwischen dem Briten und Gu und ihrem Sohn vorausgegangen sein.

Für die Mordanklage soll es laut der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua «unwiderlegbare und substanzielle» Beweise geben.

Einschätzungen von SF-Korrespondent Pascal Nufer (Tagesschau 9.8.2012, 19:30 Uhr)

Nachdem der Skandal im Februar ans Licht kam, verlor Gus Mann alle seine politischen Ämter. Dabei hatte der Anwalt Bo Xilai Grosses vor. Im Herbst wollte er einen der begehrten Sitze im neunköpfigen Ausschuss des Politbüros erringen und so in den inneren Machtzirkel vordringen.

Bo kommt wohl mit blauem Auge davon

Der Mordprozess ging bereits nach nur einem Verhandlungstag zu Ende. Er fand unter strengen Sicherheitsvorkehrungen in der ostchinesischen Stadt Hefei statt – und fiel zeitgleich mit Beratungen der Spitze der kommunistischen Partei über die künftige Parteiführung zusammen. Experten rechnen damit, dass Bo, der derzeit an einem unbekannten Ort unter Hausarrest steht, von der Justiz weitgehend verschont wird. Das Urteil werde das Gericht erst zu einem späteren Zeitpunkt verkünden, berichten chinesische Medien.

Bild Polizisten stehen vor dem Gericht in Hefei.
Polizisten bewachten den Haupteingang des Gerichts, wo der Prozess gegen Gu stattfand. reuters

«Sie konzentrieren sich auf Gu Kailai, und Bo Xilai wird möglicherweise nicht hart rangenommen», sagt Willy Lam von der Chinesischen Universität in Hongkong. Die Partei wolle vor dem Kongress im Herbst, bei dem die Führung neu besetzt wird, Einheit und Harmonie demonstrieren.

Mord kam Funktionären gelegen

Experten sehen im Sturz des einstigen Hoffnungsträgers Bo einen Sieg des scheidenden Präsidenten Hu Jintao und des Regierungschefs Wen Jiabao, die eine Reformpolitik vertreten. Für die beiden könnte der vorliegende Fall eine willkommene Gelegenheit gewesen sein, um Bo loszuwerden.

Einigen Funktionären waren auch Bos maoistischen Methoden in seiner Funktion als Anwalt ein Dorn im Auge. So scherte sich Bo bei der Bekämpfung des organisierten Verbrechens wenig um ein juristisch korrektes Vorgehen und liess in Chongqing mehrere Verdächtige hinrichten.

Nun droht seiner Frau – wenn nicht zehn Jahre Haft – die Todesstrafe. Der Prozess gegen Gu soll gemäss der Zeitung «Global Times» zeigen, dass «niemand, egal wie gross Status und Macht sind, seiner Strafe entgeht, wenn er sich skrupellos verhält oder anderen nach dem Leben trachtet».

(sda/mery;horm)