Schweiz
Braune Verbindungen: Pnos-Kontakte nach Deutschland
Die Partei National Orientierter Schweizer verliert Mitglieder, einige ihrer Sektionen sind nicht mehr aktiv. Die Partei kämpft ums Überleben. Sie sucht den Rückhalt bei Schwester-Organisationen im Ausland. Dort pflegt sie den Kontakt zu vorbestraften Neonazis. Die «Rundschau» zeigt heute Abend, welch gefährlichen Kurs die Pnos einschlägt.
Die Partei National Orientierter Schweizer (Pnos) hat am vergangenen Sonntag zum Treffen auf der Rütli-Wiese gerufen – ohne Genehmigung der Behörden. Doch die Pnos schert sich auch sonst nicht gross um Vorschriften. Sie gibt sich seriös und demokratisch, ist es aber nicht. «Die Pnos will das System Schweiz stürzen», sagt der Rechtsextremismus-Experte Heinz Kaiser.
Die «Rundschau» zeigt zum ersten Mal: Es gibt Verbindungen der Pnos zum NSU, dem «Nationalsozialistischen Untergrund». Diese Terror-Gruppe aus dem ostdeutschen Thüringen ist angeklagt, neun Ausländer und eine Polizistin erschossen zu haben.
Ein bisher unveröffentlichtes Foto zeigt den deutschen Neonazi Thomas Gerlach bei einem Pnos-Aufmarsch in Burgdorf vor drei Jahren. Gerlach ist von der Justiz in Deutschland angeklagt, ein Helfer der Neonazi-Terrorzelle NSU zu sein.
Gegenseitige Besuche
Thomas Gerlach organisierte über Jahre hinweg in Ostdeutschland das sogenannte «Fest der Völker», ein Treffen von gewaltbereiten Neonazis, das mittlerweile von den Behörden verboten wurde. An einem dieser Treffen trat der derzeitige Pnos-Präsident Dominic Lüthard als Sänger auf.
Die Besuche finden gegenseitig statt. Am letzten Pnos-Parteitag trat der wegen Volksverhetzung verurteilte Neonazi Axel Reitz auf, bekannt als «Hitler von Köln». Reitz behauptete dort, der «Volkstod» der Schweiz stehe kurz bevor: «Es kann durchaus sein, dass in zwanzig oder fünfzig Jahren nur noch in den Geschichtsbüchern über Deutschland oder die Schweiz gesprochen wird.»
Schuld daran, so der Tenor der Neonazis, sei die Zuwanderung von Ausländern. Pnos-Präsident Lüthard sprach am vergangenen Sonntag auf dem Rütli von «fremdem Lumpenpack», mit dem die Schweiz überfüllt sei. Auch fremde Religionen sind Lüthard ein Dorn im Auge. Vor drei Jahren wischte er mit einem Besen Miniatur-Minarette von einer Schweizer Fahne weg. Dafür muss Lüthard nun im Herbst vor den Richter.
Pnos-Präsident muss um sein Amt bangen
Nazi-Jäger Kaiser hat ihn wegen Rassendiskriminierung verklagt. Lüthard muss dabei um sein Amt bangen. Denn Kaiser hat bereits zehn Mitglieder aus dem Pnos-Vorstand eingeklagt – und jedes Mal Recht bekommen. Alle Verurteilten mussten ihr Parteiamt danach abgeben.



