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International

Zivilisten harren im zerbombten Aleppo aus

Mittwoch, 8. August 2012, 11:58 Uhr, Aktualisiert 23:23 Uhr

Das syrische Militär startet eine neue Grossoffensive in Aleppo. Der Ausgang der Schlacht könnte entscheidend sein für den weiteren Verlauf des Konflikts. Laut dem Schweizer Journalisten Kurt Pelda, der sich derzeit in Aleppo befindet, können viele Zivilisten nicht fliehen.

In der seit Wochen umkämpften syrischen Stadt Aleppo haben die Truppen von Machthaber Baschar al-Assad eine neue und möglicherweise entscheidende Grossoffensive gestartet. «Die Entscheidungsschlacht um Aleppo hat begonnen», sagte Abu Omar al-Halebi, ein Kommandeur der Aufständischen. Mindestens 24 Menschen starben nach Angaben der Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter binnen weniger Stunden, darunter Frauen und Kinder.

Das syrische Staatsfernsehen berichtete, die Armee habe den Angriff begonnen, um die «Terroristen» zu vernichten, die die Einwohner von Aleppo einschüchterten. Die Truppen hätten bedeutende Geländegewinne gemacht und das strategisch wichtige Viertel Salaheddin unter ihre Kontrolle gebracht, was die Aufständischen umgehend dementierten. «Dutzende Terroristen wurden getötet, andere festgenommen», meldete die Staatsagentur Sana.

Kurt Pelda hat der «Rundschau» die Lage in Aleppo via Skype geschildert.

Schweizer Journalist in Aleppo

Der freie Schweizer Journalist Kurt Pelda befindet sich derzeit in der umkämpften Stadt Aleppo. Im Interview mit der «Rundschau» sagt er, die Rebellen hätten vor allem in den ärmeren Vierteln der Millionenstadt das Sagen. Und die Leute dort hätten oft keine Möglichkeit, das Viertel zu verlassen. «Sie haben keine Mittel, keine Autos.»

Es gebe aber innerhalb der Stadt Fluchtbewegungen. Die Menschen würden in Viertel fliehen, die weniger betroffen sind. «Eigentlich wollen die Leute gerne ausharren», so Pelda. Doch kaum gehe irgendwo eine Bombe nieder, packten die Zivilisten ihre Sachen und verschwinden.

Es gebe auch umkämpfte Viertel in Aleppo, in denen früher hunderttausende Menschen lebten, so der Journalist. Diese seien heute wie leergefegt.

Nach Angaben von Aktivisten in Aleppo prasselten Granaten wie Regen auf Gebiete unter der Kontrolle der Aufständischen. «Jede Minute schlagen Dutzende Granaten ein und das grollende Geräusch der Panzer hallt durch die ganze Stadt», sagte ein syrischer Aktivist. Die Regimetruppen hatten in den vergangenen Tagen eine Vielzahl von Soldaten vor Aleppo zusammengezogen und zusätzliche Artilleriewaffen in Stellung gebracht.

Schlacht um Aleppo (Rundschau, 08.08.2012)

Vermeintlich toter General meldet sich zu Wort

Der UNO-Sicherheitsrat soll sich Ende des Monats erneut in einer Sondersitzung mit der Eskalation der Lage in Syrien befassen. Als Termin für das Treffen auf Ebene der Aussenminister nannte die französische Regierung den 30. August.

Das russische Verteidigungsministerium in Moskau wies Angaben syrischer Rebellen, sie hätten einen russischen General getötet, als «offene Lüge» zurück. Generalmajor Wladimir Kuschejew sei zwar in Syrien gewesen, aber mittlerweile nach Moskau zurückgekehrt. Wie zum Beweis traf sich Kuschejew der Agentur Interfax zufolge im Verteidigungsministerium mit russischen Journalisten. «Ich bestätige, dass ich lebe und gesund bin», sagte Kuschejew.

Russland ist Syriens wichtigster Waffenlieferant und hat zusammen mit China bislang jede Resolution des Weltsicherheitsrats gegen das Assad-Regime verhindert.

Gerüchte um die Ermordung eines russischen Generals in Syrien. (Tagesschau, 08.08.2012)

Der iranische Aussenminister Ali Akbar Salehi räumte ein, dass einige der in Syrien entführten Iraner pensionierte Revolutionsgarden seien. «Auf der Liste der Pilger waren auch pensionierte Beamte aus verschiedenen Ministerien, darunter auch der Revolutionsgarden und der Armee», sagte Salehi. Der Iran, ein enger Verbündeter des Assad-Regimes, hatte zunächst vehement dementiert, dass die Pilger Revolutionsgarden seien.

Das iranische Aussenministerium plant für diesen Donnerstag ein Treffen in Teheran über die Lage in Syrien. Vizeaussenminister Hussein-Amir Abdollahian sagte, mehrere Aussenminister der Region und auch von ausserhalb würden an den Beratungen teilnehmen.

(agenturen/gern;frua)