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International

Texas richtet mutmasslich geistig Behinderten hin

Mittwoch, 8. August 2012, 7:03 Uhr

Trotz Protesten von Menschenrechtsaktivisten ist im US-Bundesstaat Texas ein offenbar geistig behinderter Mann hingerichtet worden. Der 54jährige Afro-Amerikaner starb durch eine Giftspritze im Gefängnis von Huntsville.

Die Anwälte Marvin Wilsons hatten geltend gemacht, dass ihr Mandant nur einen Intelligenzquotienten von 61 habe und damit eindeutig geistig zurückgeblieben sei. Nach einem Grundsatzurteil des Obersten Gerichts der USA dürfen geistig Behinderte nicht exekutiert werden.

Bild Ein Hinrichtungsstuhl in einem Gefängnis
Vor zwanzig Jahren wird Marvin Wilson zum Tode verurteilt, später stellt ein Gutachten fest: Der Mann ist geistig behindert. Doch andere Gutachten widersprechen. Nun wurde das Urteil vollstreckt. keystone/symbolbild

Der Supreme Court selbst lehnte am Dienstag aber einen Exekutionsaufschub ab. Wilson starb noch am Abend im Staatsgefängnis von Huntsville durch eine Giftspritze.

IQ-Test angeblich fehlerhaft

Wilson war wegen der Ermordung eines Polizeispitzels 1992 zum Tode verurteilt worden. Die Staatsanwaltschaft hatte argumentiert, dass der Test, bei dem der niedrige IQ festgestellt worden war, aus dem Jahr 2004 stamme und fehlerhaft gewesen sei. Andere Untersuchungen seitdem wiesen darauf hin, dass Wilson nicht als geistig behindert einzustufen sei.

Auch die Art und Weise, wie er früher als Drogenhändler agiert und wie er den Mord ausgeführt habe, deuteten auf Fähigkeiten hin, die die eines geistig Behinderten überstiegen.

Wilson war 18 Monate im Todestrakt gesessen, einen letzten Vorstoss seiner Anwälte zur Verhinderung der Hinrichtung wies der Oberste Gerichtshof am Dienstagnachmittag zurück. Gegen die geplante Hinrichtung hatten Menschenrechtsorganisationen scharf protestiert.

Ähnlicher Fall vor drei Wochen

Vor rund drei Wochen hatte bereits ein ähnlicher Fall aus Texas für Aufsehen gesorgt. Damals war der 34jährige Yokamon Hearn ebenfalls durch eine Giftspritze hingerichtet worden, nachdem es Hearns Anwälte nach Ansicht der Richter nicht geschafft hatten, genügend Beweise für dessen Behinderung zu liefern.

Die jüngste Hinrichtung war nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Amnesty International die siebte in  diesem Jahr in Texas. Seit der Wiedereinführung der Todesstrafe 1976 sind im südlichen US-Staat fast 500 Menschen exekutiert worden – mehr als ein Drittel aller vollstreckten Todesurteile in den USA.

(sda/dpa/weis; buev)