Inhalt

Krise im Euro-Land

In Portugal investieren ist wieder attraktiv

Alexander Gschwind, Auslandredaktor DRS
Mittwoch, 8. August 2012, 17:21 Uhr

Gut ein Jahr nach der Flucht unter den Rettungsschirm gewinnt Portugal vor allem ausserhalb Europas langsam Vertrauen zurück. Seine Anlagen erweisen sich als unverhofft attraktiv, selbst für kleine Anleger.

Bild Blick auf eine Einkaufsstrasse in Lissabon.
Portugal steigt wieder im Ansehen ausländischer Investoren. keystone / archiv

Als Portugal im Frühling 2011 unter den europäischen Schutzschirm flüchten musste, löste dies zunächst eine Massenflucht der Anleger aus. Das Land hatte keinen Zugang mehr zu den internationalen Finanzmärkten. Es hing nur noch am Kredittropf der Geldgeber-Troika aus EU-Kommission, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB), die in Lissabon seither einen strengen Sparkurs durchsetzt. Im Gegensatz zu den übrigen südeuropäischen Schuldenstaaten tut die Troika das in Portugal mit bemerkenswertem Erfolg, wie ihre lobenden Berichte inzwischen mehrfach bestätigten.

Beteiligungen an Grosskonzernen abgestossen

Zur Sanierung der portugiesischen Finanzen hat auch der Abstoss von Staatsbeteiligungen an nationalen Grosskonzernen beigetragen, etwa jene an der Energie-Holding EDP, am Oel- und Gasproduzenten GALP oder am Zement-Hersteller Cimpor. Bei diesen Konzernen sind Investoren aus China, Brasilien und Angola eingestiegen.

Als nächste soll die Fluglinie TAP an die Meistbietenden veräussert werden. Auch für sie gibt es reges Interesse aus Übersee. Der brasilianische Flugzeugbauer Embraer plant bereits eine europäische Basis im südportugiesischen Evora.

Gemeintipp ausserhalb Europas

Portugiesische Anlagen gelten also zumindest ausserhalb Europas inzwischen wieder als Geheimtipps mit Gewinnpotential. Die neuen Investoren zeigen sich entsprechend risikofreudig. Mit hochverzinsten Obligationen haben sie seit Anfang Jahr 1,8 Milliarden Euro auf dem portugiesischen Binnenkapitalmarkt gesammelt.

Der Stromkonzern EDP – immerhin weltweit führender Anbieter von erneuerbaren Energien – bot sechs Prozent Bruttozins. Ebenso viel boten der Autobahnbetreiber Brisa und Portugal Telecom. Der Mischkonzern Sonae platzierte über eigene Banken und Supermarktketten 200 Millionen Euro gar zu sieben Prozent bei 20'000 Anlegern.

Solche und noch höhere Zinssätze samt Risikozuschlägen müssten Portugals Staatskasse, Banken und Grosskonzerne auch auf den internationalen Finanzmärkten bezahlen. Deshalb ziehen sie einheimische Gläubiger im Zweifelsfalle vor und halten diese gleichzeitig von der weiteren Abwanderung ins Ausland ab.

Europäer beobachten noch

Dass sich da womöglich eine diskrete Trendwende abzeichnet und das Vertrauen gewissermassen durch die Hintertür nach Portugal zurückkehrt, scheint sich inzwischen auch bei europäischen Investoren wieder herumzusprechen.

Für zwei Testanleihen auf dem freien Kapitalmarkt musste das Land im Juli, obwohl es noch unter dem Schutzschirm steht, tiefere Zinssätze bezahlen als Spanien und Italien – beides nur Anwärter auf den Schutzschirm.