Schweiz
Jugendherbergen trotzen der Tourismuskrise
Die Tourismuskrise betrifft nicht alle: Während bei den Hotels die Zahl der Logiernächte einbricht, legen Jugendherbergen zu. Sie haben sich zur Alternative für preisbewusste Gäste aus den Euroländern gemausert.
Die Logiernächte bei Hotels verzeichnen einen Rückgang von 3,7 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2011. Ganz anders die Jugendherbergen: Sie legten im selben Zeitraum 1,4 Prozent zu.
Wer an kratzige Wolldecken und dunkle Massenschläge denkt, liegt falsch. Viele Jugendherbergen haben aufgerüstet und bieten aus Sicht vieler Gäste einen fast gleichwertigen Komfort wie ein günstiges Hotel.
Auch Wetter ist mitschuldig
Die gesamte Tourismusbranche kämpft jedoch mit der wirtschaftlichen Unsicherheit, dem starken Franken und dem wechselhaften Wetter.
Vor allem die ausländischen Gäste fehlten den Schweizer Hoteliers: Sie buchten 3,6 Prozent weniger Nächte, während die Zahl bei den Schweizer Touristen um 1,8 Prozent zurückging.
Der Blick auf das erste Halbjahr offenbart ein ähnliches Bild: Mit 16,8 Millionen lag die Zahl der Logiernächte 3,7 Prozent unter dem Vorjahr. Die inländischen Gäste buchten 7,5 Millionen Nächte, was einer Abnahme um 0,5 Prozent entspricht. Mit 6,1 Prozent (auf 9,3 Millionen) war der Rückgang bei den ausländischen Touristen deutlich stärker.
Vor allem Touristen aus Europa mieden die Schweiz: Sie verzeichneten 11 Prozent weniger Logiernächte. Die Deutschen als wichtigste Gästegruppe übernachteten gar um 15 Prozent seltener in Schweizer Hotels.
Nachteil Frankenstärke
Aus Sicht des Branchenverbands Hotelleriesuisse belastet die wirtschaftliche Unsicherheit insbesondere in Europa den Schweizer Tourismus. «Die Ferienplanung geht verstärkt über das Portemonnaie», kommentierte Geschäftsführer Christoph Juen die Zahlen des BFS in einer Mitteilung. Dies treffe die Schweiz wegen des starken Frankens besonders. Bei den inländischen Gästen habe zum Auftakt der Sommersaison das wechselhafte Wetter zum Rückgang beigetragen.
Neun von dreizehn Tourismusregionen mussten im ersten Halbjahr eine Abnahme der Logiernächte hinnehmen. In der nach wie vor beliebtesten Destination, Graubünden, brach die Zahl um 7,6 Prozent ein. Auch im Tessin (-7,0 Prozent) und im Wallis (-6,9 Prozent) machten deutlich weniger Touristen Ferien. Dagegen legten kleinere Tourismusgebiete wie die Region Freiburg (+9,9 Prozent) oder der Jura und das Drei-Seen-Land (+3,1 Prozent) bei den Logiernächten zu.
(sda/sf/buev; fref)







