Schweiz
Härtere Gangart: Offener Strafvollzug unter Druck
Immer mehr Täter sollen ihre Strafen in Gefängnissen mit hohen Mauern und Hochsicherheitstrakt verbüssen. Das sei keine gute Entwicklung, sagt der Direktor der grössten offenen Strafanstalt der Schweiz gegenüber «10vor10».
In der offenen Strafanstalt Witzwil (BE) arbeiten Straftäter völlig ungesichert auf dem offenen Feld. Kein Stacheldraht und kein Aufseher hindert sie an einer Flucht. «Das ist genau die Stärke des offenen Vollzugs», sagt Direktor Hans-Rudolf Schwarz gegenüber «10vor10».
Der Straftäter werde in der offenen Strafanstalt optimal auf ein Leben ausserhalb der Gefängnismauern vorbereitet. In der Freiheit werde der Straftäter ja auch nicht pausenlos überwacht, so Schwarz.
Politisch steht der offene Vollzug unter Druck
«Die Sicherheit der Bevölkerung ist beim offenen Strafvollzug einfach nicht gewährleistet», kritisiert die SVP-Nationalrätin Natalie Rickli. Schweizweit steht der offene Strafvollzug unter grossem Druck.
Exemplarisch für die Entwicklung steht der Kanton Solothurn. Die offene Strafanstalt Schöngrün schliesst 2014. Die offenen Haftplätze werden ersatzlos gestrichen. Dafür baut der Kanton in Deitingen (SO) ein neues stark gesichertes Gefängnis. Dieser Trend zu mehr geschlossenen Plätzen gilt für die ganze Schweiz.
Offener Vollzug erleichtert Resozialisierung
Für Hans-Rudolf Schwarz birgt diese Entwicklung Gefahren. «Die Gefahr ist gross, dass man sich zu fest auf die Sicherheit während des Vollzuges konzentriert.» Entscheidend sei aber, dass ein Täter nach der Haft wieder deliktfrei leben könne. Und da habe der offene Strafvollzug grosse Qualitäten.
Für Natalie Rickli können zu viele und vor allem auch zu gefährliche Täter Ihre Strafe in einer offenen Anstalt verbüssen. Sie begrüsst den Trend zu mehr Sicherheit und geschlossenen Plätzen.
Der Kanton Bern startet nun eine Kampagne für den offenen Strafvollzug.






