Inhalt

Schweiz

Knapp 1500 Bauernhöfe verschwunden

Montag, 6. August 2012, 12:06 Uhr, Aktualisiert 16:21 Uhr

Der Abwärtstrend setzt sich auch 2011 fort: In der Schweiz sind 1450 Bauernhöfe eingegangen. Das entspricht einem Rückgang von 2,5 Prozent. Die Zahl der Biobetriebe hingegen hat erstmals seit Jahren zugenommen.

Rückgang/Zunahme an LandwirtschaftsbetriebenQuelle: bundesamt für statistik

 

Rückgang: mehr als 161 Betriebe

 

Rückgang: 131 bis 160 Betriebe

 

Rückgang: 101 bis 130 Betriebe

 

Rückgang: 71 bis 100 Betriebe

 

Rückgang: 31 bis 70 Betriebe

 

Rückgang: 1 bis 30 Betriebe

 

Zunahme an Betrieben

Am meisten Betriebe sind im Kanton Bern verschwunden (258). Aber auch in den Kantonen Wallis, St. Gallen und Freiburg haben besonders viele Bauern ihren Hof aufgegeben. Dies teilte das Bundesamt für Statistik (BFS) am Montag mit. Landesweit gibt es somit noch 57'600 Landwirtschaftsbetriebe.

Reaktion aus Bern

258 verschwundene Betriebe im Kanton Bern, so viel wie nirgendwo sonst: Wie reagiert man dort auf die neuesten Zahlen des BFS? Der bernische Landwirtschaftsdirektor Andreas Rickenbacher erklärt dazu, dass der drastische Rückgang deutlich mache, dass beim Strukturwandel noch Nachholbedarf bestehe.

Zwei Gründe nennt Rickenbacher: Zum einen verfüge Bern im Gegensatz zu anderen Kantonen sowohl über Bergbauernhöfe als auch über Hügel- und Talbetriebe. Der Strukturwandel habe in diesem breit gefächerten Umfeld nicht so rasch fortschreiten können wie in einem Kanton, der zum Beispiel nur Talbetriebe kenne.

Zum anderen habe die bernische Politik bis vor 10 oder 15 Jahren den Strukturwandel auch gebremst, beispielsweise mit kantonalen Subventionen, die im Bernbiet stärker geflossen seien als anderswo.

Als Grund gibt das BFS den schon seit langem zu beobachtenden Strukturwandel an. Zwischen 2000 und 2011 sind 18 Prozent der Betriebe eingegangen. Gleichzeitig sind die verbleibenden Betriebe gewachsen, von durchschnittlich 15,2 auf 18,3 Hektaren.

Der Schweizerische Bauernverband (SVB) zeigte sich besorgt über das zunehmende Tempo des Strukturwandels. Zwar sei es ihm bewusst, dass es einen «gewissen sozial verträglichen Anpassungsprozess» brauche, doch der Druck auf die einheimischen Bauernfamilien sei enorm hoch. Vor allem kleine und mittlere Betriebe gäben auf.

Bio-Bauern wieder im Aufwind
 
Zugenommen hat hingegen – erstmals seit 2006 – die Zahl der Biobetriebe: Sie machen mit 5760 Höfen inzwischen rund 10 Prozent aller Bauernhöfe aus. Unerreicht bleibt allerdings der Spitzenwert von 2005, als es landesweit 6400 Biobetriebe gab. In Graubünden stehen 22 Prozent aller Schweizer Biohöfe

Bild Blick auf einen Schweizer Bauernhof. (keystone)
Weniger, aber dafür grössere Bauernhöfe: So sah es auch 2011 in der Schweizer Landwirtschaft aus. keystone/symbolbild

 
Auf allen Betrieben zusammen haben im vergangenen Jahr 164'000 Beschäftigte gearbeitet – das sind über 3000 weniger als im Vorjahr.

Praktisch unverändert geblieben ist die landwirtschaftliche Nutzfläche: Sie beträgt gut eine Million Hektaren. Während die kleinen und mittleren Betriebe weniger Fläche bewirtschaftet haben, besitzen die grössten Betriebe zunehmend grössere Flächen.

Halbe Million mehr Geflügel

Die Schweizer Bauern setzen je länger je mehr auf den Gemüsebau: Die Fläche für Freilandgemüse hat im letzten Jahr um 5,8 Prozent zugenommen. Mittlerweile wird auf insgesamt 10'000 Hektaren Gemüse angepflanzt.

Ebenfalls im Trend liegt die Geflügelhaltung, vor allem die Mast. Laut BFS betrug der Geflügelbestand Anfang Mai 2011 9,5 Millionen – rund eine halbe Million mehr als ein Jahr zuvor. Der grösste Teil davon sind Mastpoulets, von denen 404'000 mehr als im Vorjahr auf Schweizer Betrieben lebten, bevor sie auf dem Teller landeten.
 
Nahezu unverändert geblieben ist die Zahl an Rindern: Über 1,5 Millionen Tiere hielten die Schweizer Bauern im letzten Jahr.

(sda/mery;krua)