Schweiz
Kanton Bern wirbt für offenen Strafvollzug
Der Kanton Bern will die Bevölkerung besser mit dem offenen Strafvollzug vertraut machen. Eine Plakatkampagne soll über die Chancen und die Risiken dieser Vollzugsform informieren.
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Mit dem offenen Vollzug habe der Gesetzgeber für die Gefangenen bewusst die Möglichkeit geschaffen, einen realitätsnahen Bezug zur Aussenwelt aufbauen zu können, machte Regierungsrat Hans-Jürg Käser (FDP) vor den Medien in den Anstalten Witzwil deutlich.
Die baulich-technischen Sicherheitsvorkehrungen in Witzwil seien deshalb geringer als bei einer geschlossenen Anstalt wie Thorberg. Typisch für den offenen Vollzug seien zudem Arbeits- und Freizeitaktivitäten, welche die Gefangenen auch ausserhalb der Anstalten durchführen könnten.
Offener Vollzug ist die Regel
Laut Strafgesetzbuch werden Freiheitsstrafen in der Schweiz in offenen oder geschlossenen Anstalten vollzogen. In der Regel kommen die Gefangenen in den offenen Vollzug, es sei denn, es besteht die Gefahr einer Flucht oder weiterer Straftaten.
Während in den geschlossenen Institutionen vor allem der Sicherheitsgedanke grosses Gewicht hat, ist es in den offenen Anstalten die Arbeit hin auf ein straffreies Leben in Freiheit.
Das schweizerische Recht verlangt denn auch, dass der Vollzug das soziale Verhalten der Gefangenen fördern soll. Der Kanton Bern kennt einen Stufenvollzug.
Gefangene bräuchten «Übungsfelder», um sich zu sozialisieren, betonte Käser. Nur so könnten sich die Betroffenen Eigenverantwortung aneignen. Die nötigen Übungsfelder führten indessen unweigerlich zu einer Senkung der Sicherheit und Kontrollmöglichkeiten. Chance zur Bewährung
Der offene Vollzug bietet laut Käser gerade für Gefangene, die aus geschlossenen Anstalten überwiesen werden, oft erstmals eine Gelegenheit, um sich zu bewähren. Wer dies nicht tut, geht zurück in die geschlossene Anstalt.
20 «Urlaubsversagen» pro Jahr
Nachts wird die Anstalt Witzwil abgeschlossen. Während dieser Zeit komme es pro Jahr etwa zu vier Fluchtversuchen, erklärte Anstaltsdirektor Hans-Rudolf Schwarz.
Tagsüber büxen laut Schwarz vor allem drogenabhängige Insassen aus oder kommen nicht mehr aus dem Urlaub zurück. Schwarz geht von durchschnittlich etwa 20 Vorfällen, sogenannten «Urlaubsversagen», pro Jahr aus, gerechnet auf etwa 1200 Urlaube.
Die Betroffenen würden aber eigentlich immer wieder gefasst, denn «wir wissen ja wo sich Drogenabhängige immer wieder aufhalten», führte Schwarz aus. In den Anstalten Witzwil sind rund 180 Insassen untergebracht. Sie müssen alle arbeiten. In den Anstalten werden 26 Berufe angeboten.
(sda/vaid;horm)



