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Vermischtes

Gute Aussichten für «Curiosity»-Landung auf dem Mars

Sonntag, 5. August 2012, 9:59 Uhr, Aktualisiert 16:27 Uhr

Kurz vor der geplanten Landung des Roboters «Curiosity» (Neugier) auf dem Mars haben sich die Wetterbedingungen nach Angaben der US-Raumfahrtsbehörde Nasa verbessert. Weltweit kann das Ereignis mitverfolgt werden – wenn die Signale aus dem All es denn überhaupt zulassen.

«Der Mars spielt mit, wir werden es mit guten Bedingungen zu tun haben», sagte NASA-Wissenschaftler Ashwin Vasavada. Vor einigen Tagen sei noch ein Staubsturm nahe der geplanten Landestelle geortet worden. Dieser habe sich dann aber in eine «harmlose Staubwolke» verwandelt.

Trotz guten Wettervoraussichten ist die Anspannung der Nasa-Wissenschaftler gross: Sieben Minuten sind es, welche die Nasa-Ingenieure in diesen Tagen zittern lassen. Sieben Minuten, in denen das Roboterfahrzeug «Curiosity» am 6. August in die Mars-Atmosphäre eintreten und nach einer Reihe komplizierter Manöver auf dem Planeten aufsetzen soll, während es dabei von rund 21‘000 Kilometern pro Stunde auf null abbremst. Wenn alles gut geht.

Bei der US-Raumfahrtbehörde heissen sie nur die sieben Minuten des quälenden Bangens. Denn währenddessen können die Experten nur warten und hoffen. Alles ist vorprogrammiert und nichts lässt sich während der Landung des Rovers – mit dem Gewicht eines leichten Kleinwagens – mehr ändern.

Ultrahochfrequenz-Töne als Landebestätigung

«Ich sitze schon seit Wochen unruhig auf meiner Stuhlkante», sagt der Nasa-Manager John Grunsfeld vor Journalisten. «Erst wenn der Rover sicher auf dem Mars ist, werde ich mich zurücklehnen können.» Das Problem: Die Bestätigung der Landung ist gar nicht so leicht zu bekommen.

«Curiosity» selbst kann aus der Mars-Atmosphäre zunächst nur wenige Informationen an die Erde schicken. Anstelle dessen sendet der Rover nach jedem erfolgreichen Teil des Landemanövers Ultrahochfrequenz-Töne an die Raumsonde «Odyssey», die den Mars umkreist.

Suche nach organischen Substanzen

Das 2,5 Milliarden Dollar teure «Curiosity»-Projekt soll herausfinden, ob auf dem Mars einst Mikroben leben konnten. Frühere Missionen haben bereits Eis und Spuren von früheren Wasserläufen gefunden. «Curiosity» wird Steine und Erde anbohren, um nach Kohlenstoff und anderen Elementen zu suchen.

Ziel der Landung ist der Gale-Krater nahe des Mars-Äquators. Es ist bekannt, dass Gale einst mit Wasser gefüllt war. Dies lässt sich aus Bildern schliessen, die Spuren von Ton und Sulfatsalzen zeigten, die sich mit Wasser bilden. An seinen Flanken wird «Curiosity» nach organischen Substanzen suchen, die als Bausteine des Lebens gelten.

«Odyssey» leitet diese weiter an die Antennen des Deep Space Network, unter anderem in der australischen Hauptstadt Canberra, wie die Nasa und die Empfangsstation in Canberra mitteilten. Von dort aus werden die Signale ins Kontrollzentrum der Nasa im US-Bundesstaat Kalifornien geschickt.

Fotos frühestens 15 Stunden später

Wenn all das funktioniert, weiss die Nasa pünktlich um 7.31 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit am Montag ob ihre bislang teuerste und technisch ausgefeilteste Mars-Mission geglückt ist und das rund 900 Kilogramm schwere, sechsrädrige Forschungslabor sicher auf dem Planeten aufgesetzt hat.

Da eine derart aufwendige Kommunikation im All aber nicht immer reibungslos verläuft, warnt die Nasa, dass es im schlimmsten Fall auch Tage dauern könnte, bis das Signal die Erde erreicht. Auch Bilder von der Landung wird es zunächst nicht geben.

Frühestens 15 Stunden nach der Landung würden die ersten von «Curiosity» geknipsten Fotos auf der Erde erwartet, sagte ein Nasa-Sprecher. Ein Video, das eine Kamera am Boden des Rovers während der Landung aufzeichnet, werde wahrscheinlich erst ein paar Tage später eintrudeln.

Bangen um das Mars-Projekt

Für die US-Raumfahrtbehörde steht einiges auf dem Spiel: Nach starken Budgetkürzungen ist die etwa 1,9 Milliarden Euro teure Mission «das letzte Hurra im Planetenprogramm der Nasa für einige Jahre», wie es die «New York Times» formulierte.

Geht auch nur eine Kleinigkeit schief beim Landemanöver ist «Curiosity» womöglich nur noch ein Haufen Schrott und die Mission würde zur Blamage. Viele erhoffte Informationen über mögliche Spuren von Leben auf dem Mars blieben aus.

Die Zukunft des Mars-Projekts, das nach dem Willen von US-Präsident Barack Obama auch zu einer bemannten Mars-Mission in rund 20 Jahren führen soll, stünde auf dem Spiel.

Manöver jahrelang geprobt

Aber die Nasa gibt sich optimistisch. Das unter anderem einen Fallschirm, Korrekturdüsen und einen Kran einbindende Landemanöver möge «verrückt» wirken, sagt Nasa-Ingenieur Adam Steltzner vor Journalisten.

Die Landung des Marsroboters «Curiosity» auf dem «roten Planeten» verschlang bislang 1,9 Milliarden Euro. («Tagesschau» vom 05.08.2012)

«Aber ich versichere Ihnen, dass es die am wenigsten verrückte Methode ist, mit der man einen Rover, der so gross ist wie 'Curiosity', auf dem Mars landen kann», so Steltzner weiter. Ausserdem sei das Manöver jahrelang geprobt worden, ergänzte sein Kollege Steven Lee. «In der Welt der Simulation sind wir schon Millionen Mal auf dem Mars gelandet.»

Live-Übertragung auf dem Times Square

Die Landung des Mars-Rovers «Curiosity» auf dem Roten Planeten wird live auf dem berühmten New Yorker Times Square übertragen – zumindest indirekt. Wie die US-Raumfahrtbehörde am Dienstag (Ortszeit) mitteilte, gibt es zwar keine Livebilder vom Mars.

Dafür soll aber eine Leitung in das kalifornische Kontrollzentrum gelegt werden, wo das Signal für eine erfolgreiche Landung eingehen soll. Das Erkundungsfahrzeug soll am kommenden Montag um 07.31 Uhr (Mitteleuropäische Zeit) sein Ziel erreichen.

«In der Stadt, die niemals schläft, ist der historische Times Square genau der richtige Ort für die New Yorker, um an dieser historischen Landung teilzuhaben», erklärte John Grunsfeld, der das Projekt für die Nasa mitverantwortet.

(dpa/muei; engf)