International
Syrien: Iranische Pilger verschleppt
In der syrischen Hauptstadt Damaskus sind 48 iranische Pilger entführt worden. Dies berichten staatliche Medien. Aufgrund der immer brutaler werdenden Kämpfe hat das Rote Kreuz in einem dringenden Appell die Achtung des humanitären Völkerrechts gefordert.
«Bewaffnete Gruppen» hätten die Pilger auf der Strasse zum Flughafen entführt, zitierte die Nachrichtenagentur Irna einen namentlich nicht genannten Vertreter der iranischen Botschaft in Damaskus. Die Botschaft kennt auch den Aufenthaltsort der 48 Verschleppten. Sie will nun alle möglichen Hebel in Bewegung setzen, um diese zu befreien. Es ist nicht das erste Mal, dass iranische Pilger Ziele von Kidnappern wurden.
Der Iran ist einer der wenigen verbliebenen Verbündeten der syrischen Führung, die seit fast 17 Monaten versucht, einen Aufstand niederzuschlagen.
Rotes Kreuz will Zivilisten schützen
Angesichts der Eskalation des Bürgerkrieges in Syrien hat das Rote Kreuz die Regierung und die Rebellen in einem dringenden Appell aufgefordert, Zivilisten zu verschonen. «Wir rufen alle an den Kämpfen beteiligten Gruppen zur Beachtung der Pflichten auf, die sich für sie aus dem humanitären Völkerrecht ergeben», erklärte das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) in Genf und Damaskus.
Das IKRK bezeichnet die Lage in Syrien indes auch als besorgniserregend. Es fehle der Bevölkerung bereits jetzt an Lebensmitteln, sagte der IKRK-Koordinator Elias Wieland. Gerade in Aleppo habe sich die Situation stetig verschlechtert. Mehr als zwei Millionen Menschen sind in Syrien von der von der humanitären Krise betroffen.
Immer häufiger werden auch Nothelfer Ziel von Angriffen. So seien inzwischen fünf Mitarbeiter des Syrischen Arabischen Halbmonds (SARC) getötet und zahlreiche Krankenwagen beschossen oder geraubt worden, sagte der IKRK-Verantwortliche für den Nahen und Mittleren Osten, Robert Mardini.
Aufgrund der Intensivierung der Gewalt habe das IKRK einen Teil seiner 24 Delegierten für Syrien auf unbestimmte Zeit abgezogen und nach Beirut in den Libanon geschickt. Dort solle abgewartet werden, bis sich die Sicherheitslage verbessere, so Wieland.
Kein Mobilfunknetz mehr
Sich nur vorübergehend aus Aleppo zurückgezogen hat sich die Beobachtermission der UNO. Ursache dafür seien aber nicht die schweren Gefechte der vergangenen Tage, sondern technische Probleme, wie eine UNO-Sprecherin der «Süddeutschen Zeitung» sagte.
Angriff aufs Staatsfernsehen
In der Wirtschaftsmetropole Aleppo verschärft sich die Lage zusehends. Syrische Rebellen haben in der Nacht auf Samstag das Gebäude des Staatsfernsehens angegriffen. Der Angriff scheiterte aber am Widerstand der syrischen Regierungstruppen, wie die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte.
Die amtliche Nachrichtenagentur SANA bestätigte den Angriff auf die Niederlassung des Staatsfernsehens. Sie berichtete von «Terroristen, die Zivilisten und das Gebäude angegriffen» hätten. Bei dem Vorfall seien «Terroristen getötet und verletzt worden». Mit dem Begriff Terroristen umschreibt die syrische Führung regierungskritische Demonstranten und Aufständische im Land.
Der Zusammenbruch des Mobilfunknetzes in Aleppo zwinge die UNO zu diesem Schritt. «Sobald unsere Kommunikationsmittel wieder funktionieren, werden wir die Beobachter zurücksenden», heisst es weiter.
Aktivisten hatten am Donnerstag berichtet, die Mobilfunknetze und die Internetverbindung seien abgeschaltet worden. Dies deute auf eine erneute Offensive hin.
Verstärkte Nothilfe
Frankreichs UNO-Botschafter Gérard Araud sagte dem Radiosender Europe 1, trotz der politischen Gegensätze von Mitgliedern des UNO-Sicherheitsrates müssten im Bereich der Nothilfe Fortschritte möglich sein. Bereits früher hatte Frankreich die Einrichtung eines «humanitären Korridors» vorgeschlagen, über den Hilfe ins Land gebracht werden könnte.
«Wir werden versuchen, Russland und China wenigstens bei den humanitären Fragen auf unsere Seite zu bekommen», betonte Araud, der jüngst den monatlich wechselnden Vorsitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen übernommen hatte.

Glückskette sammelt für syrische Flüchtlinge
Die humanitäre Situation in Syrien verschärft sich weiter. Mehrere tausend Menschen flüchten täglich. Die Glückskette ruft deshalb zu Spenden auf.
Spenden auf das Postkonto 10-15000-6 mit dem Vermerk «Syrien»
Am 13. November findet ein Nationaler Sammeltag für Syrien statt.
(sda/mery/blur; muei)



