Kultur
Ende der Diskussion: Bund lagert Filmförderung nicht aus
Die Schweiz erhält kein Filminstitut: Kulturminister Alain Berset hat entsprechenden Forderungen aus der Filmbranche eine deutliche Absage erteilt. Die Filmförderung bleibt damit – wie bisher – Aufgabe des Bundes.
Bild
«Mit den breit diskutierten Filmförderungskonzepten 2012-2015 steht seit Anfang Jahr ein effizientes Instrument zur Förderung der Filmproduktion und der Filmkultur zur Verfügung», heisst es im Communiqué des Bundesamtes für Kultur (BAK). Bislang hätten sich diese neuen Konzepte bewährt, erklärte Berset.
Cinésuisse, der Dachverband der Schweizerischen Film- und Audiovisionsbranche, hatte verlangt, die Filmförderung an ein vom Bund unabhängiges Filminstitut auszulagern. Der Vorschlag sei sorgfältig geprüft worden, schreibt das BAK.
«Ich bin überzeugt, dass der Schweizer Film mit einem Filminstitut eher geschwächt als gestärkt würde», betonte Berset.
Nach langen Diskussionen mit den Befürwortern der Vorlage sei die Absage seine «endgültige Meinung».
Thomas Tribolet vom Cinésuisse-Vorstand zeigte sich zwar «enttäuscht», sieht die bis anhin gute Zusammenarbeit mit dem Kulturminister aber nicht gefährdet. Berset sei offen, die Mängel in der Filmförderung anzugehen; Tribolet beklagte insbesondere bürokratische Hürden beim Auszahlen von Fördergeldern.
Starke Zunahme der Fördergesuche
Der Kulturminister zeigte sich überzeugt, dass mit den aktuellen Konzepten das diffizile Gleichgewicht zwischen unbotmässigen Eingriffen des Staates und fehlender Unterstützung für die Branche gefunden werden könne. Er betonte zudem wie sein Vorgänger Didier Burkhalter, dass kommerzieller Erfolg und Qualität keine Widersprüche zu sein bräuchten.
Insbesondere wegen neuer Förderformen stieg die Eingabe der Gesuche bei der BAK-Sektion Film im ersten Halbjahr 2012 deutlich an, wie BAK-Filmchef Ivo Kummer sagte. Bis Ende Jahr dürfte eine Zunahme um einen Drittel resultieren.
Vom «Giesskannen-Prinzip» könne in der Filmförderung keine Rede sein, ergänzte Berset, da nur etwa ein Viertel dieser Gesuche positiv beantwortet würde. Er betonte ferner seine Absicht, die Schweiz in Europa kulturell stärker zu positionieren. Deshalb müsse sich das Land am MEDIA-Abkommen der EU, das 2014 ausläuft, weiterhin beteiligen.
Tanzpreis-Verleihung in Freiburg
BAK-Chef Jean-Frédéric Jauslin gab am Festival del film Locarno eine Neuerung für die Sparte Tanz bekannt. Künftig sollen alle zwei Jahre Schweizer Tanzpreise mit Auszeichnungen über 800'000 Franken verliehen werden.
Der Anlass geht 2013 erstmals im Freiburger Théâtre de l'Equilibre und damit in Bersets näherer Heimat über die Bühne; der Bundesrat war in die Standortwahl allerdings nicht involviert, wie es hiess. Neben den Preisen in den Sparten Film, Literatur und Kunst folgen 2014 noch Musik- und Theaterpreise.
Der Bund setzt auf dieses Förderinstrument, weil so nicht bloss Schweizer Franken verteilt werden, sondern Auszeichnungen in einer für Kulturschaffende noch wichtigeren Währung: Aufmerksamkeit.
(sda/engf;mery)






