Schweiz
Kein «Strahlenmeer» mehr: Update für Landeshymne
Die Schweiz soll einen anderen Text für ihre Landeshymne erhalten. Die Idee neu lanciert hat die Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft (SGG) zum 1. August. «Betet, freie Schweizer, betet» sei zu sperrig und nicht zeitgemäss.
Der Text des Schweizerpsalms sei sprachlich sperrig und inhaltlich nicht mehr zeitgemäss, teilte die SGG mit. Ein neuer Text würde die Hymne aufwerten und ihr zu mehr Akzeptanz verhelfen. Dadurch würde die Landeshymne auch mit mehr Begeisterung gesungen. Die Melodie soll nicht geändert werden.
An der Bundesverfassung orientieren
Die SGG, die auch das Rütli verwaltet, will in den kommenden Monaten politisches Lobbying für ihr Anliegen betreiben. Ziel der Organisation ist es, den neuen Hymnentext am 1. August 2015 offiziell einzuführen.
Weiter werden demnächst die genauen Wettbewerbsbedingungen ausformuliert und eine Jury einberufen. So viel steht bereits fest: Der neue Text soll sich an der Präambel der Bundesverfassung orientieren und in zwei Landessprachen eingereicht werden.
Bis heute im Kirchengesangbuch
Es ist nicht der erste Versuch, der Landeshymne einen neuen Text zu unterlegen. Zuletzt scheiterte SP-Nationalrätin Margret Kiener Nellen (BE) im Jahr 2008 mit einer entsprechenden Motion. Der Bundesrat hielt damals fest, dass Melodie und Text eine Einheit bilden würden.
Entstanden ist die heutige Landeshymne im Jahr 1841: Der Wettinger Zisterziensermönch Alberich Zwyssig passte einen Text des Zürchers Leonhard Widmer seinem eigenen, 1835 komponierten Messegesang «Diligam te Domine» an und nannte das Lied «Schweizerpsalm». Die Hymne ist bis heute in evangelischen und katholischen Kirchengesangbüchern zu finden.
Aus Mangel an Alternativen angenommen
Neben dem Schweizerpsalm existierte das gleichermassen populäre Lied Rufst du, mein Vaterland, welches zur Melodie von God Save the Queen gesungen wurde. Den Text verfasste der Berner Dichter Johann Rudolf Wyss. Als mit der Zunahme von internationalen diplomatischen Kontakten im 20. Jahrhundert mehrfach die Schweizer und die Britische Hymne nacheinander gespielt wurden, führte dies zu Missverständnissen.
Im Jahr 1961 wurde das Stück zur Landeshymne erklärt, allerdings nur provisorisch. Nach drei Jahren stimmten sechs Kantone gegen den Schweizerpsalm, zwölf dafür und sieben verlangten eine Fristverlängerung. Nachdem aber kein valabler Gegenvorschlag einging, wurde «Trittst im Morgenrot daher» im Jahr 1981 die erste offizielle Schweizer Nationalhymne.
Der Text der Landeshymne
Trittst im Morgenrot daher, seh' ich dich im Strahlenmeer,
Dich, du Hocherhabener, Herrlicher!
Wenn der Alpenfirn sich rötet, betet, freie Schweizer, betet!
Eure fromme Seele ahnt
Eure fromme Seele ahnt Gott im hehren Vaterland,
Gott, den Herrn, im hehren Vaterland.
Kommst im Abendglühn daher, find' ich dich im Sternenheer,
Dich, du Menschenfreundlicher, Liebender!
In des Himmels lichten Räumen kann ich froh und selig träumen!
Denn die fromme Seele ahnt
Denn die fromme Seele ahnt Gott im hehren Vaterland,
Gott, den Herrn, im hehren Vaterland.
Ziehst im Nebelflor daher, such' ich dich im Wolkenmeer,
Dich, du Unergründlicher, Ewiger!
Aus dem grauen Luftgebilde tritt die Sonne klar und milde,
Und die fromme Seele ahnt
Und die fromme Seele ahnt Gott im hehren Vaterland,
Gott, den Herrn, im hehren Vaterland.
Fährst im wilden Sturm daher, bist du selbst uns Hort und Wehr,
Du, allmächtig Waltender, Rettender!
In Gewitternacht und Grauen lasst uns kindlich ihm vertrauen!
Ja, die fromme Seele ahnt,
Ja, die fromme Seele ahnt, Gott im hehren Vaterland,
Gott, den Herrn, im hehren Vaterland.
Eine Nationalhymne zu ändern ist international nichts Neues. Nach politischen Umstürzen geschieht dies regelmässig. Bekanntestes Beispiel dafür ist die dritte Strophe der Hymne Deutschlands, welche seit dem Sturz Hitlers 1945 als erste Strophe gesungen wird. Aber auch soziale Veränderungen haben ihre Wirkung. Österreich hat seit diesem Jahr ein neues Bundeslied, dessen Text «geschlechtergerechter» ist.
(sf/sda/fasc;hesa)



