International
Pussy Riot: Zusammenbruch in russischem Gerichtssaal
Begleitet von dramatischen Szenen ist der Strafprozess gegen die russische Skandalband Pussy Riot fortgesetzt worden. Notärzte mussten mehrfach zu den Frauen in den Gerichtssaal eilen. Der Prozess wirft immer höhere Wellen.
Die drei Musikerinnen hätten kaum geschlafen, wenig gegessen und an den ersten Verhandlungstagen jeweils zwölf Stunden in einem Glaskäfig ausharren müssen, kritisierte ihr Anwalt.
«Gesteuerter Prozess»
Unterdessen spaltet der Prozess die russische Gesellschaft weiter. Ein Politiker der regierenden Partei Geeintes Russland und ein bekannter Geistlicher kritisierten öffentlich die Verhandlung. «Je länger der Prozess dauert, umso mehr wird er zum Symbol für Justizwillkür in Russland», schrieb der Politiker Waleri Fedotow aus St. Petersburg, der Heimatstadt von Kremlchef Wladimir Putin, in einem Internetblog. Er wolle zeigen, dass nicht alle in der Partei «solch mittelalterliche Fanatiker sind».
Die Protestaktion der Frauen gegen Putin in einer Moskauer Kirche habe zwar viele gekränkt, sei aber kein Grund für eine Gefängnisstrafe, betonte Fedotow. Der Geistliche Andrej Kurajew sagte, auch in Kirchenkreisen gehe die Vermutung um, der Prozess sei von Putins Umfeld gesteuert.
Es drohen sieben Jahre Gefängnis
Die Verteidigung warf der Staatsanwaltschaft eine «gefälschte Anklage» vor. Einige Nebenkläger seien mit völlig identischen Aussagen zitiert, «bis hin zum gleichen Druckfehler», sagte ein Verteidiger. Richterin Marina Syrowa wies aber erneut einen Befangenheitsantrag gegen sich ab. Zudem räumte sie der Verteidigung nicht mehr Zeit zum Studium der 3000 Seiten umfassenden Anklage ein.
Nadeschda Tolokonnikowa (22), Maria Aljochina (24) und Jekaterina Samuzewitsch (29) drohen «wegen Rowdytums aus religiösem Hass» je sieben Jahre Gefängnis. Sie waren von den Notärzten nach einer Untersuchung für verhandlungsfähig erklärt worden. Die Musikerinnen kritisieren die Strapazen des Prozesses als «Folter».
(dpa/fasc;godc)






