Wirtschaft
SNB macht mit Fremdwährungen Milliardengewinn
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) weist für das erste Halbjahr einen Konzerngewinn von 6,5 Mrd. Franken aus. Hauptgrund dafür sind die Gewinne auf den Fremdwährungspositionen. Diese beliefen sich auf 5,1 Mrd. Franken.
Durch die Interventionen auf den Kapitalmärkten ist die Bilanz der Nationalbank angeschwollen: Die Bilanzsumme wuchs seit Anfang Jahr um 89 Mrd. Fr. auf 439 Mrd. Franken, wie die SNB mitteilte.
Die Devisenanlagen selbst nahmen um 108 Mrd. zu. Ein grosser Teil dieser Zunahme sei auf Devisenkäufe zur Durchsetzung des Mindestkurses gegenüber dem Euro während des zweiten Quartals zurückzuführen, schrieb die SNB.
Ausschlaggebend für den Gewinn von 5,1 Mrd. Fr. auf den Fremdwährungspositionen sind laut SNB die Zins- und Dividendenerträge sowie Kursanstiege und Kapitalgewinne von insgesamt rund 5,5 Mrd. Franken. Die wechselkursbedingten Verluste beliefen sich auf 0,3 Mrd. Franken.
Euro-Bestände der SNB deutlich gestiegen
Im Kampf um den Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) im zweiten Quartal 2012 massiv interveniert. Die Euro-Bestände stiegen um rund 79,5 Mrd. auf 182,5 Mrd. Euro. Dies entspricht einem Anstieg um 77 Prozent auf umgerechnet 219,5 Mrd. Franken.
Der Euro notiert seit April um die Marke von 1,201 Franken und damit nur knapp über dem Mindestkurs von 1,20 Franken. Um den Mindestkurs durchzusetzen ist die SNB bereit, unbeschränkt Devisen zu kaufen. Denn eine erneute Aufwertung des Frankens hätte laut den Währungshütern schwerwiegende Folgen für die Preis- und Wirtschaftsentwicklung der Schweiz.
Die SNB kaufte gleichzeitig zusätzliche Dollars. Der Bestand stieg gegenüber dem ersten Quartal von 70,9 Mrd. auf 83,6 Mrd. Dollar. Umgerechnet in Franken nahmen die Dollar-Devisenanlagen wegen der Aufwertung der US-Währung noch stärker von 63,9 Mrd. auf 79,4 Mrd. Fr. zu.
Die gesamten Devisenanlagen der SNB türmten sich zur Jahresmitte auf 365,1 Mrd. Franken, wie die Nationalbank bereits Anfang Juli in einem Bericht an den Internationalen Währungsfonds (IWF) dargelegt hatte.
So macht die SNB Gewinn
Die Nationalbank will verhindern, dass der Franken zu stark wird – das heisst, sie will den Franken zum Euro bei mindestens 1.20 halten. Dies macht sie, indem Fremdwährungen kauft und Franken verkauft.
Die fremdländischen Devisenreserven der SNB belaufen sich auf einen riesigen Betrag – derzeit auf über 360 Milliarden Franken. Knapp 80 Milliarden davon sind US-Dollar.
Wenn der Dollar – wie in den letzten Monaten geschehen – stärker wird, macht die SNB also Gewinn, ohne etwas zu machen. Gleich hat es sich in jüngster Vergangenheit mit dem Gold verhalten. Auch hier hat die SNB Gewinne erzielt, ohne dazuzukaufen – weil eben auf den globalen Finanzmärkten der Goldpreis stieg.
Umgekehrt kann es aber auch sein, dass die Nationalbank in einem halben Jahr mit Verlusten dasteht. Nämlich dann, wenn die erwähnten Kurse sinken.
Im ersten Quartal 2012 hatte die SNB ihre Devisenanlagen noch reduzieren können. Die verzögerte Regierungsbildung in Griechenland und zunehmende Sorge um die Stabilität Spaniens und Italiens haben den Euro aber wieder geschwächt und zu einer Flucht in andere Währungen wie Dollar oder Franken geführt.
Positiver Stabilisierungsfonds
Zum Gewinn trug auch der höhere Goldpreis bei: Auf dem mengenmässig unveränderten Goldbestand entstand ein Bewertungsgewinn von 1,3 Mrd. Franken.
Einen positiven Beitrag zum SNB-Ergebnis leistete der Stabilisierungsfonds, in welchen während der Finanzkrise zur Rettung der UBS die toxischen Wertpapiere der Grossbank ausgelagert wurden. Der Fonds weist einen Semestergewinn von 189 Mio. US-Dollar aus, wobei 73 Mio. Fr. ins Konzernergebnis der SNB einflossen.
Das Darlehen an den Stabilisierungsfonds konnte von 7,6 Mrd. Franken auf 6,4 Mrd. Franken reduziert werden. Das Gesamtrisiko für die SNB ging von 8,5 Mrd. Franken auf 6,7 Mrd. Franken zurück.
Im ersten Halbjahr des vergangenen Jahres hatte die SNB noch einen Verlust von 10,8 Mrd. Franken eingefahren. Hauptgrund dafür waren damals Verluste in der Höhe von 9,9 Mrd. Franken auf den Fremdwährungspositionen der SNB.
(sda/awp/red)







