International
«Mitt Romney hätte zu Hause bleiben sollen»
US-Präsidentschaftskandidat Mitt Romney hat seine Europareise mit dem Besuch in Polen abgeschlossen. Diverse Patzer von ihm und seiner Entourage säumten die Reise. US-Medien sparen nicht mit Kritik.
«Er hätte zu Hause bleiben sollen», urteilte das Onlinemagazin «Politico» am Schluss der Reise.
Auch Journalisten kamen am Nachmittag ins Kreuzfeuer der Romney-Truppe: Romneys Pressesprecher Rick Gorka legte sich anlässlich einer Rede Romneys mit Journalisten an und beschimpfte sie, nachdem sie seinen Chef auf dessen peinliche Patzer in Israel und Grossbritannien hingewiesen hatten.
Sprecher Romneys: «Leck mich am Arsch»
Dabei seien Ausdrücke wie «Leck mich am Arsch» und «Du kannst mich mal» gefallen, berichteten der US-Fernsehsender CNN und «Politico». Später habe sich Gorka für sein ausfälliges Verhalten dann aber entschuldigt, berichteten die beiden Medien.
Romney wollte mit dem Überseetrip seine Glaubwürdigkeit als Aussenpolitiker beweisen. Doch dann brüskierte er in London den britischen Premierminister David Cameron mit dem Zweifel, ob dessen Land überhaupt fähig sei, die Olympischen Spiele in London auszurichten.
«Jerusalem ist Hauptstadt Israels»
In Israel brachte er anschliessend die arabische Welt gegen sich auf, als er Jerusalem als «Hauptstadt Israels» bezeichnete. Das ist international nicht anerkannt, auch die US-Botschaft befindet sich in Tel Aviv.
Schliesslich fing sich Romney noch einen Rassismusvorwurf ein mit der Äusserung, die wirtschaftliche Überlegenheit Israels über die Palästinenser sei auch kulturell begründet. Von der israelischen Besatzung und deren Auswirkungen auf die Palästinenser kein Wort.
Glimpflicher verlief es für Romney zum Abschluss seiner Reise in Polen. Der Friedensnobelpreisträger Lech Walesa hatte gar lobende Worte übrig: «Wir denken sehr ähnlich».
Doch wahrscheinlich war der Arbeiterführer nur immer noch sauer auf Obama, weil dieser bei einem Empfang polnischer Politiker im Weissen Haus keine Zeit für ihn hatte, wie zwei Korrespondenten der Nachrichtenagentur dpa vermerken.
Loyalität Polens verpflichtend
In seiner Rede sprach Romney in der Warschauer Universitätsbibliothek von der «Familie der Demokratie», in der Polen und die USA vereint seien. Die Loyalität der Polen sei auch eine Verpflichtung für die USA: «Wir müssen denen die Treue halten, die Amerika treu sind.»
Und weiter: «Wir sprechen die Sprache der Freiheit und Gerechtigkeit, wir sorgen uns um das Recht jedes Menschen auf ein Leben in Frieden», sagte der Herausforderer von US-Präsident Barack Obama in seinem einzigen Redeauftritt in Polen nicht ohne Pathos.
Heikle Themen ausgelassen
Die von Polen seit Jahren geforderte Aufhebung der Visumspflicht für Reisen in die USA liess Romney bei der als «Grundsatzrede» angekündigten Ansprache unerwähnt, stattdessen lobte er das Wirtschaftswachstum Polens auch in den Zeiten der weltweiten Wirtschaftskrise.
Nachdrücklich lobte er den polnischen Freiheitskampf gegen Nationalsozialismus und Kommunismus. «In den schwärzesten Stunden des vergangenen Jahrhunderts hatten die Polen Hoffnung gegeben», sagte er und schlug den Bogen amerikanisch-polnischer Allianzen vom amerikanischen Unabhängigkeitskrieg bis hin zum Einsatz im Irak und in Afghanistan.
Auch wenn Romney auf Einladung des ehemaligen Arbeiterführers und Friedensnobelpreisträgers Lech Walesa nach Polen gekommen war, traf er sich auch mit Regierungschef Donald Tusk, Aussenminister Radoslaw Sikorski und Staatspräsident Bronislaw Komorowski. Vor der Rückkehr in die USA legte Romney am Dienstag Blumen vor dem Denkmal für die Kämpfer des Warschauer Ghettos und des Warschauer Aufstands nieder.
(sda/dpa/buev;hesa)






