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International

Arafat-Witwe erstattet Anzeige wegen «Ermordung»

Dienstag, 31. Juli 2012, 16:46 Uhr

Suha Arafat, die Witwe des verstorbenen Palästinenserpräsidenten Jassir Arafat, hat in Frankreich Anzeige gegen Unbekannt erstattet – wegen des Verdachts auf Vergiftung ihres Mannes. Auch ihre Tochter Saura ist Mitklägerin. Ermittelt wird jetzt von Amts wegen.

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Die Anwälte der beiden Frauen betonten, dass sich die Klage ausdrücklich nicht gegen einen Staat, eine bestimmte Gruppe oder Person richte. Die Anzeige wegen «Ermordung» sei ausdrücklich gegen Unbekannt erstattet worden. Ausserdem sei der Fall auch nicht verjährt, weil die Klage weniger als zehn Jahre nach den Vorgängen eingereicht werde.

Ziel der Klage sei es, die genauen Todesumstände Arafats zu ermitteln und damit herauszufinden, ob Arafat tatsächlich vergiftet wurde oder nicht.

Lausanner Experten lieferten Befund

Experten des Radiophysik-Instituts am Universitätsspital Lausanne hatten Kleidungsstücke des Ex-Staatschefs untersucht, die er vor seinem Tod getragen haben soll. Sie fanden daran erhöhte Werte von Polonium 210. Auch an Arafats Zahnbürste sowie an seinen Haaren waren Spuren des radioaktiven Isotops nachweisbar.

Polonium 210 – das Gift, das von innen tötet

Polonium ist ein Abfallprodukt von zerfallendem Uran und enthält Tellur und Wismut. Das schwach strahlende Metall wird erst gefährlich, wenn es über die Atmung oder den Verdauungstrakt aufgenommen wird.

Dann aber wirkt bereits eine Dosis von 0,1 Mikrogramm innerhalb von Tagen tödlich – so wie beim russischen Ex-Spion Alexander Litwinenko, der 2006 in einem Londoner Spital einer Polonium-Vergiftung erlag.

Die Schweizer Wissenschaftler wiesen in ihrem Gutachten jedoch ausdrücklich darauf hin, dass ihre Ergebnisse keine Beweise für eine Vergiftung Arafats seien.

«Unbekannt» – oder doch Israel?

Der Palästinenserpräsident war im November 2004 in einem Pariser Militärspital unter bis heute ungeklärten Umständen gestorben, nachdem sich sein Gesundheitszustand rapide verschlechtert hatte. Die Palästinenser verdächtigen Israel seither, Arafat vergiftet zu haben.

Ob zur Klärung des Falls nun in einem weiteren Schritt Arafats Leiche in Ramallah im Westjordanland exhumiert wird, ist derzeit noch unklar. Die palästinensische Behörde hatte Anfang Juli eigentlich grünes Licht dafür gegeben, die Umsetzung verzögert sich aber wegen andauernder Prüfung des Schweizer Untersuchungsberichtes durch einen palästinensischen Untersuchungsausschuss.

(agenturen/falt;hesa)