Vermischtes
Mieses Juliwetter – 2011 war aber noch schlimmer
Landauf, landab hört man das grosse Wehklagen über den miserablen Sommer 2012, ganz so schlimm ist es aber auch wieder nicht. Der Juli war an vielen Orten sogar zu trocken und im Norden rund ein halbes Grad zu warm. Allerdings machte sich die Sonne im Norden rar. Es bleibt ein schwacher Trost: 2011 war der Juli gar noch viel schlimmer!
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Die letzte Juliwoche beschönigte die Statistik massiv und stimmte uns doch noch halbwegs versöhnlich. Mit Beginn der Hundstage am Montag, 23. Juli kehrte der Sommer wenigstens für fünf Tage in die Schweiz zurück und sorgte doch noch für einen leichten Wärmeüberschuss. Bei der Sonnenscheindauer konnte aber auch eine einzige schöne Juliwoche das Defizit der ersten beiden Dekaden nicht mehr aufholen.
Ein halbes Grad zu warm und bis 35,3 Grad heiss
Im Vergleich zur langjährigen internationalen Referenz von 1961 bis 1990 war es doch noch in der ganzen Schweiz zu warm. Auf der Alpennordseite betrug der Wärmeüberschuss in der Regel rund ein halbes Grad, in den Hochalpen rund ein Grad und im Süden gut 1,5 Grad. Damit war der Juli 2012 immerhin mehr als 1 Grad wärmer im Vergleich zum Juli 2011.
Ganz massgeblich zu diesem Wärmeüberschuss haben die milden Nächte und die letzte Juliwoche beigetragen. Am 27. Juli erlebte die ganze Schweiz grosse Hitze. Im Wallis stieg die Temperatur bis auf 35,5 Grad, in Genf, Basel und in der Orbe-Ebene wurden mehr als 34 Grad gemessen und verbreitet gab es auf beiden Seiten der Alpen 31 bis 33 Grad. Die Jahreshöchsttemperatur vom 30. Juni, gemessen in Bad Ragaz (SG) mit 35,8 Grad, wurde aber nicht erreicht.
Immer wieder Unwetter
In Erinnerung bleiben werden uns aber vor allem die starken Unwetter in der ersten Julihälfte. Unvergessen sind die Hochwasserbilder aus dem Zulgtal bei Steffisburg vom 4. Juli, als in der Folge auch in Bern Hochwasseralarm gegeben wurde. Hochwasser gab es zu Monatsbeginn auch im Wallis.
Dort machte sich eine ganze Kombination von Faktoren bemerkbar, einerseits gab es viel Regen, anderseits war die Schneefallgrenze extrem hoch und zusätzlich kam noch Schmelzwasser aus dem Hochgebirge dazu. Alle drei Komponenten zusammen brachten sozusagen das Fass zum Überlaufen, bzw. die Flüsse an ihre Kapazitätsgrenze. Am letzten Juliwochenende gab es auch noch im Kanton Baselland Überschwemmungen.
Erstaunlich ist dennoch, dass es an vielen Orten im Monat Juli zu trocken war. So vor allem im zentralen und östlichen Mittelland und Richtung Alpstein, aber auch im Südtessin. Weit überdurchschnittliche Regenmengen gab es vor allem dem Jura entlang und in der Nordschweiz. Sowohl in Schaffhausen, wie in Basel gab es je 170 Prozent der üblichen Regenmenge, in der Region Zürich und am Jura rund 150 Prozent.
Auch in weiten Teilen des Wallis war es sehr nass. In Visp gingen ebenfalls 160 Prozent der normalen Juliregenmenge nieder. Trist ist auch die Bilanz der Niederschlagstage. In der Zentral- und Ostschweiz gab es verbreitet 18 bis 24 Tage mit Regen, im Klartext: In diesen Gebieten war es im Durchschnitt an 2 von 3 Tagen mindestens einmal nass, den Bauern machte diese anhaltende Feuchtigkeit grosse Sorgen.
Die Sonne gönnte sich grössere Pausen
Die Sonnenscheindauer blieb an den meisten Orten hinter den langjährigen Erfahrungswerten zurück. Gerade dieser Faktor sorgte dafür, dass der Sommer subjektiv als schlecht wahrgenommen wird. Selbst an kühleren Tagen wärmt der direkte Sonnenschein. An grauen, windigen Tagen, sorgt der sogenannte Windchill-Faktor dafür, dass ein Tag eher frisch wahrgenommen wird, obwohl die Quecksilbersäule durchaus akzeptable Werte zeigt.
Kein grundlegender Wetterwechsel in Sicht
Es ist kaum zu fassen: Die allgemeine Wetterlage ändert sich auch in den kommenden Tagen nur wenig. Am Dienstag zieht einmal mehr ein Ausläufer des Azorenhochs blitzartig über uns hinweg, und dann kommen wir am Südostrand des Englandtiefs einmal mehr in eine feucht-warme Südwestströmung. Es bleibt zwar eher mild, es drohen aber bereits wieder neue Schadensgewitter.



