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Schweiz

Studie: Zweitwohnungs-Initiative gefährdet tausende Jobs

Montag, 30. Juli 2012, 14:59 Uhr, Aktualisiert 20:42 Uhr

Eine Westschweizer Studie kommt zum Schluss: Die im Frühjahr angenommene Zweitwohnungs-Initiative könnte beträchtliche wirtschaftliche Folgen mit sich bringen.

Bild Blick auf ein Walliser Feriendorf. (keystone)
4300 Jobs weniger im Kanton Waadt und Wallis: Die Zweitwohnungs-Initiative sorgt auch fünf Monate nach der Abstimmung für Zündstoff. keystone

Allein im Wallis gehen demnach bis zu 3300 Arbeitsplätze verloren. Im Kanton Waadt sind es 1000. Dies passiere jedoch nicht auf einen Schlag, sondern schrittweise: In der Baubranche etwa gingen die Bestellungen zurück, der Arbeitsplatzabbau würde dann 2014 einsetzen.

CVP-Präsident Christophe Darbellay reagierte konsterniert. Es handle sich um «bedenklich aussagekräftige Zahlen», meinte der Walliser. «Man hätte sie vor der Abstimmung kennen müssen.»

Wegen der Zweitwohnungsinitiative könnten im Wallis und Waadtland insgesamt etwa 4300 Stellen verloren gehen. (Tagesschau 30.7.2012, 19.30)

Die Studie war von Wirtschaftskreisen in Auftrag gegeben und von der Beraterfirma i-Consulting in Pully (VD) durchgeführt worden.

Nach Berechnungen des Studienautors Yvan Schmidt steigt die Arbeitslosigkeit in den betroffenen Regionen um 2,34 Prozent. Dies bedeute einen Schaden von 200 Millionen Franken pro Jahr.

Gemäss der Studie wird auch die Neuorientierung schwierig, weil die wirtschaftlichen Perspektiven fehlen. Der Autor geht von einer grösseren Abwanderungsbewegung und vielen leeren Wohnungen aus. Das würde die Baubranche weiter beeinträchtigen.

Die Baulandentwertung wird mit 300 Millionen Franken beziffert. Um neue Hotelprojekte rentabel zu machen, reicht dies laut Schmidt aber nicht aus. Die Hotellerie war bisher in vielen Gebieten durch den Bau von Zweitwohnungen quersubventioniert worden.

Flankierende Massnahmen gefordert

Aufgrund der Resultate der Studie verlangen Darbellay und sein Ratskollege Olivier Feller (FDP/VD) eine Ausführungsgesetzgebung, die weit gehend auf die Bedürfnisse der Berggebiete Rücksicht nimmt. Zudem fordern sie flankierende Massnahmen wie zum Beispiel mehr Geld für neue Geschäftsmodelle im alpinen Tourismus.

Knapper Volksentscheid und viele Unklarheiten

Am 11. März diesen Jahres stimmte das Volk für die Zweitwohnungsinitiative. Es wollte damit dem überbordenden Bau von Chalets und Ferienwohnungen in den Bergen einen Riegel schieben. Allerdings fiel der Entscheid knapp aus: mit 50,6 Prozent zu 49,4 Prozent der Stimmen.

Es folgten Unsicherheiten bezüglich der Umsetzung und Auslegung der Initiative. So war unklar, was eine Zweitwohnung überhaupt ist.

Erst im Mai einigten sich die Parteien nach einem sechsstündigen Sitzungsmarathon auf eine Definition. Als Zweitwohnung gilt nun, was nicht als zivilrechtlicher Wohnsitz begründet wird.

Voraussichtlich im August entscheidet der Bundesrat über die vorläufige Umsetzung der Zweitwohnungsinitiative. Diese Verordnung gilt, bis die Ausführungsgesetze zum Verfassungsartikel in Kraft sind.

(sda/fref; horm)