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International

Unübersichtliche Lage in Aleppo

Montag, 30. Juli 2012, 17:37 Uhr, Aktualisiert 21:50 Uhr

Syrische Truppen haben nach Angaben der Führung Teile der schwer umkämpften Stadt Aleppo zurückerobert. Die Rebellen widersprechen – man habe keinen Meter verloren. Unterdessen wurde bekannt, dass UNO-Beobachter von Bewaffneten angegriffen wurden.

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Mit Flak-Geschützen wehren sich die Aufständischen gegen Luftangriffe und benutzen dabei eine «Hit and Run»-Taktik (reuters)

«Zum Glück gab es keine Verletzte», sagte UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon. Nur die Panzerung der Fahrzeuge habe Schlimmeres verhindert. Der Angriff auf den Konvoi um den senegalesischen General Babacar Gaye habe am Wochenende stattgefunden. Zweimal sei er ins Visier genommen worden. Gaye zeigte sich über die Gewaltbereitschaft beider Parteien in der Wirtschaftsmetropole Aleppo sehr besorgt.

Unterdessen prahlte das Regime: Der gesamte Bezirk Salaheddine im Südwesten Aleppos stehe unter Kontrolle von Regierungseinheiten, sagte ein namentlich nicht identifizierter Militäroffizier dem syrischen Staatsfernsehen in der Nacht zum Montag. In wenigen Tagen werde Aleppo wieder sicher sein. Zuvor hatte Aussenminister Walid Mualem den Sieg der Soldaten von Präsident Baschar al-Assad in Damaskus erklärt.

Rebellen halten sich

Die Rebellen in der Stadt wiesen die Angaben zurück. Die Armee sei «nicht einen Meter» vorgerückt, sagte einer ihrer Anführer am Telefon. «Wir haben einen neuen Angriff auf Salaheddin in der Nacht zurückgeschlagen und vier Panzer zerstört», fügte er hinzu.

Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London beschossen die Aufständischen ihrerseits ein Gebäude des Geheimdiensts der syrischen Luftwaffe im Stadtteil Al-Sahira.

Unabhängigen Beobachtern zufolge scheinen die Rebellen tatsächlich nach wie vor grosse Gebiete der Stadt zu kontrollieren, in der etwa 2,5 Millionen Menschen leben.

Der Tod wütet in der Stadt

Wie viele Menschen bei den Gefechten starben, ist unklar. Improvisierte Spitäler in den von den Rebellen gehalten Gebieten im Osten Aleppos nehmen immer mehr Opfer der Kämpfe auf. «An manchen Tagen kommen um die 30, 40 Leute, ohne die Leichen», sagt ein junger Mediziner. «Erst kürzlich haben wir 20 Leichen bekommen, aber die Hälfte davon war in Stücke zerfetzt. Wir können nicht herausfinden, wer sie sind.»

Die Spuren der Kämpfe sind nicht zu übersehen. In einer Strasse steht ein ausgebrannter Panzer, in anderen viele zerstörte Autos, einige mit dem Schriftzug «Schabbiha» – die gefürchteten Assad-treuen Milizen. In den Strassen stapeln sich derweil die Leichen. Bewohner haben gefrorene Wasserflaschen auf die Körper gelegt, um die Verwesung in der Hitze zu verlangsamen. Sie wagen es nicht, die Leichen ins Krankenhaus zu schaffen – aus Angst, selbst zur Zielscheibe zu werden.

Das staatliche Fernsehen behauptet, die Armee habe die heftig umkämpften Viertel zurückerobert. (Tagesschau 30.7.2012, 19.30)

In der Nähe des Zentrums sind nahezu alle Geschäfte geschlossen. Eine einzige Bäckerei hatte am Sonntag geöffnet – um den Block bildete sich eine lange Kundenschlange.

Im Kampf um die nordsyrische Millionenmetropole Aleppo haben Rebellen nach eigenen Angaben erstmals eine direkte Strassenverbindung zur benachbarten Türkei eingenommen. Die Aufständischen eroberten eine strategische wichtige Anhöhe im Nordwesten von Aleppo. Dort hatte sich bisher ein Kontrollpunkt der Regimetruppen befunden.

Der Posten fiel nach rund zehnstündigem Kampf an die Aufständischen. Der Posten Anadan liegt etwa fünf Kilometer nordwestlich von Aleppo und rund 45 Kilometer von der türkischen Grenze entfernt. Über die Route Richtung Türkei könnten nun Kämpfer und Nachschub transportiert werden, sagte der örtliche Kommandant der Aufständischen.

200'000 Menschen auf der Flucht

Angesichts der schweren Kämpfe in Städten wie Aleppo und Damaskus haben die Vereinten Nationen die syrischen Konfliktparteien aufgerufen, Zivilisten zu schonen. Zugleich forderte UNO-Nothilfekoordinatorin Valerie Amos freien Zugang für Hilfsorganisationen zu den Kampfgebieten.

In einer Erklärung vom Sonntag verwies Amos auf Schätzungen des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) und des Syrischen Roten Halbmondes. Demnach flohen in den vergangenen Tagen 200'000 Menschen allein aus der umkämpften Wirtschaftsmetropole Aleppo.

Viele Flüchtlinge hätten Zuflucht in Schulen und anderen öffentlichen Gebäuden in sichereren Gegenden gesucht. «Sie brauchen dringend Lebensmittel, Matratzen, Decken, Hygieneartikel und Trinkwasser», so Amos weiter.

(agenturen/falt/mery)