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International

Prozess um Punkband Pussy Riot vertagt

Montag, 30. Juli 2012, 13:06 Uhr, Aktualisiert 22:14 Uhr

Der erste Verhandlungstag im Prozess gegen Mitglieder der russischen Punkband Pussy Riot ging nach zehn Stunden zu Ende. Am Dienstag sollen weitere Zeugen verhört werden. Zum Auftakt beteuerten die drei angeklagten Frauen ihre Unschuld und warfen der Richterin «Folter» vor.

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Sie äusserten aber zugleich Bedauern, falls ihr Auftritt mit einem «Punk-Gebet» in einer Kirche gegen den heutigen Staatschef Wladimir Putin Gläubige verletzt habe. Sie sprachen von einem «ethischen Fehler».

Den seit März inhaftierten Sängerinnen Nadeschda Tolokonnikowa, Jekaterina Samuzewitsch und Marina Alechina wird «Rowdytum» vorgeworfen; ihnen drohen bis zu sieben Jahre Haft. Ihre Band hatte im Februar in einer Moskauer Kathedrale unter anderem den Satz «Maria, Mutter Gottes – verjage Putin!» gesungen.

Medwedew verteidigt Prozess

Russlands Regierungschef Dmitri Medwedew hat das Vorgehen der Justiz gegen die drei Frauen verteidigt. In einigen anderen Ländern müssten die Frauen mit deutlich höheren Strafen rechnen als in Russland, sagte Medwedew in einem Interview der britischen Zeitung «The Times».

Nicht beleidigend gemeint

Der Prozess gegen sie findet nun in dem Gericht statt, in dem im Jahr 2010 Putins Gegenspieler, der frühere Oligarch Michail Chodorkowski, zu mehreren Jahren Haft verurteilt wurde. Im voll besetzten Saal im Bezirksgericht Chamownitscheski beantworteten die drei angeklagten Frauen zunächst gelassen Fragen nach ihren Namen, Adressen und Geburtsdaten.

Einschätzungen von Peter Gysling, SF-Korrespondent Moskau, zum Prozess gegen Pussy Riot.

Ihre Anwältin Violetta Wolkowa verlas darauf handschriftliche Erklärungen der Frauen: Der Auftritt sei «ein verzweifelter Versuch» gewesen, «um das politische System zu ändern», hiess es in der Erklärung Tolokonnikowas in dem live im Internet übertragenen Verfahren. «Wir hatten nicht die Absicht, Menschen zu beleidigen.» Im juristischen Sinne schuldig seien sie und ihre Mitangeklagten aber nicht.

Auch äusserte die Verteidigung Kritik an der Richterin Marina Syrowa. Sie habe die jungen Frauen weder essen noch trinken noch zur Toilette gehen lassen. «Das ist Folter.» Die Richterin wies die Vorwürfe zurück.

Der Vater von Jekaterina Samuzewitsch, Stanislaw, zeigte sich wenig optimistisch, dass seine Tochter von dem Gericht Milde erwarten könne. «Natürlich werden sie ins Gefängnis geschickt», sagte er. «Das ist ein politischer Prozess.»

Proteste vor Gerichtssaal

Menschenrechtler kritisieren das Verfahren als politischen «Schauprozess» zur Einschüchterung der Opposition. Unterstützer riefen vor dem Gebäude «Freiheit für Pussy Riot».

«Das ist politische Vergeltung und Rache», sagte der frühere Vizeregierungschef und Regierungskritiker Boris Nemzow. Auch die Verteidigung hatte die Anklage als absurd bezeichnet.

Russische Band in U-Haft (10vor10, 24.4.2012)

Zum kompletten «Punk-Gebet» geht es hier.

(agenturen/hesa/mery; rufi)