Wirtschaft
US-Wirtschaft kühlt im Wahljahr ab
Die US-Wirtschaft will nicht mehr so recht. Die weltgrösste Volkswirtschaft hat im zweiten Quartal erneut an Schwung verloren. Damit wird ein Eingreifen der US-Notenbank wieder wahrscheinlicher und der Druck auf US-Präsident Barack Obama stärker.
Zu Beginn des Jahres hatte die US-Wirtschaft noch um 2 Prozent zugelegt, Ende 2011 waren es sogar noch gut 4 Prozent. Nun meldete das Handelsministerium, dass vor allem die Zurückhaltung der Konsumenten das Wachstum auf eine Jahresrate von 1,5 Prozent gedrückt habe.
Das in den USA die Konsumenten derart Einfluss auf die gesamte Wirtschaft nehmen können, liegt daran, dass sie als Seismographen für konjunkturelle Entwicklungen gelten. Denn der private Konsum trägt fast 70% der US-Wirtschaftsleistung. Die Bürger stützen zwar das Wachstum, doch die Konsumausgaben stiegen nur noch um 1,5 Prozent und damit so gering wie seit einem Jahr nicht mehr.
Im Handel mit anderen Ländern konnten die Amerikaner kräftig zulegen. Mehr als 5 Prozent zogen die Exporte an. Und doch: Sie deckten sich mit 6% mehr Waren aus dem Ausland ein, und schufen sich so eine Negativbilanz und zusätzliche Wirtschaftsbremse.
Die Wirtschaft beutelt den Präsidenten
Besonders die hohe Arbeitslosigkeit hat in den letzten Monaten den Konsum gebremst. Die Angst vor dem Jobverlust macht vorsichtig und erhöht die Sparquote. Damit konzentrieren sich die US-Bürger in diesem Wahljahr besonders auf Wirtschafts- und Finanzthemen und machen den Präsidentschaftskandidaten Kopfzerbrechen.
Die Vereinigten Staaten spüren zunehmend die Auswirkungen der globalen Konjunkturabkühlung. Und auch die Schuldenkrise in Europa gewinnt in Nordamerika immer mehr an Einfluss. US-Präsident Barack Obama sieht sich nicht nur mit wirtschaftlich angehauchten, wahlkampfstarken Parolen seines Herausforderers Mitt Romney konfrontiert, sondern kämpft auch mit wachsender Ungeduld und Unzufriedenheit im Volk. Obama habe seine Wahlversprechen insbesondere bei der Schaffung neuer Arbeitsplätze nicht eingehalten. Nun lasten ihm seine Mitbürger an, er trage nicht unwesentliche Mitschuld an der flauen Konjunktur und hohen Arbeitslosigkeit im Land.
Ein neues Eingreifen der Notenbank ist möglich
Die schwächelnde Konjunktur ruft auch die US-Notenbank Fed wieder auf den Plan. Nach Meinung vieler Experten ist die Ankündigung eines neuen Anleihenkaufprogramms für bereits nächste Woche nicht auszuschliessen: «Es liegt völlig in der Luft, ob die Fed diese Daten als ausreichend ansieht, um schon eine Entscheidung zu treffen», sagte Analyst Rick Meckler von Libertyview Capital Management. Der Notenbank-Chef Ben Bernanke hatte kürzlich nur bekräftigt, dass die Fed grundsätzlich bereit sei, die Konjunktur und den Arbeitsmarkt zu stützen.
«US-Wirtschaft wächst» – aber sehr langsam
«Die Zahlen sind weder richtig gut noch richtig schlecht», sagte Postbank-Ökonom Thilo Heidrich. «Damit setzen die USA ihren Wachstumskurs weiter fort, ohne dass dieser an die Dynamik früherer Aufschwungsphasen anknüpfen könnte.» Die Erholung der Rezession von 2007 bis 2009 ist die schwächste seit Anfang der 80er Jahre.
Rezession
Der Verlauf der Konjunktur ist ständigen Schwankungen unterworfen. In diesem Zyklus ist von Rezession die Rede, wenn die Leistung einer Volkswirtschaft über einen gewissen Zeitraum abnimmt, der unterschiedlich definiert wird. In den USA oder Grossbritannien sprechen Volkswirte von Rezession, sobald die Wirtschaft zwei Quartale in Folge nicht wächst. Private Investitionen und Unternehmensgewinne gehen in einer Rezession in der Regel zurück. Die Löhne der Arbeitnehmer geraten unter Druck, der private Verbrauch sinkt.
Die USA erlebte während der ersten Obama-Amtszeit ihre 12. Rezession seit Ende des 2. Weltkriegs.
(sda/reuters/giem; buet)







