International
Syrische Politikerin setzt sich ab – auch IKRK reagiert
Generäle, Botschafter – nun auch eine Abgeordnete: Dem syrischen Regime laufen wichtige Stützen davon. Wegen der sich verschlechternden Sicherheitslage hat das IKRK einen Teil seiner Delegierten aus Damaskus zurückgezogen.
Wie viele Delegierte sich aus Syriens Hauptstadt zurückgezogen haben, wollte der Sprecher des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes (IKRK) nicht sagen. Die betroffenen Personen befänden sich nun in der libanesischen Hauptstadt Beirut. Das IKRK aber werde auch nach dem Teilabzug in Damaskus weiterarbeiten – in Zusammenarbeit mit dem syrischen Roten Halbmond und vom Libanon aus.
Bei der Abgeordneten, die sich in die Türkei abgesetzt hat, handelt es sich um Ichlas al-Badawi habe. Sie habe dem «tyrannischen Regime» von Präsident Bashar al-Assad und seiner Baath-Partei entkommen wollen, sagte sie nach ihrer Flucht. Sie sei geflohen «vor der Unterdrückung und der grausamen Folter einer Nation, die ein Minimum an Rechten fordert», sagte Badawi.
Die Politikerin – selbst Mitglied der allmächtigen Baath-Partei – hatte die nördliche Provinz Aleppo vertreten. Dort liefern sich derzeit Rebellen und Assad-treue Soldaten heftige Gefechte. Nach Angaben von Oppositionellen zieht die Armee Panzer und Soldaten um die wichtige Wirtschaftsmetropole zusammen. Die Aufständischen sprechen von einer entscheidenden Schlacht, die Assads politisches Schicksal besiegeln könnte.
Einer der ranghöchsten Generäle flieht in die Türkei
Wegen des Aufstandes und der Gewalt, mit der die Staatsführung darauf reagiert, haben sich in den vergangenen Wochen bereits mehrere Angehörige der Baath-Partei und des Militärs von Assad abgewandt. Erst vor zwei Wochen war der syrische Botschafter im Irak nach Katar geflohen. Anfang des Monats hatte sich einer der ranghöchsten Militärs in die Türkei abgesetzt.
In dieser Woche sagten sich auch die syrische Botschafterin auf Zypern und ihr Ehemann, der zuletzt syrischer Botschafter in den Vereinigten Arabischen Emiraten war, vom Assad-Regime los.
Syriens Staatsfernsehen zeigt Seifenopern und Hurrapatriotismus
Wer dieser Tage in Syrien das Staatsfernsehen einschaltet, muss sich die Frage stellen, ob der blutige Konflikt im Land wirklich Realität ist. Das Publikum wird hauptsächlich mit Seifenopern, Diätshows oder Aerobic-Programmen abgespeist. Erst seit dem Anschlag vom 18. Juli, bei dem gleich mehrere Minister und enge Vertraute von Präsident Assad getötet wurden, ist der Ton etwas ernster geworden.
Erstmals wurden die Leichen von Rebellen gezeigt, gefolgt von Aufnahmen von Soldaten, die stolz erklärten, die Hauptstadt von «Terroristen gesäubert» zu haben. Seit dem Anschlag ist Hurrapatriotismus im Fernsehen immer heftiger geworden: Zu sehen sind kampferprobte Soldaten, die ein Spezialtraining absolvieren, unterlegt sind die Bilder von den «mutigen Streitkräften» mit patriotischer Musik.
(reuters/krua/mery;buet;godc)






