Schweiz
Zürcher Männerbeauftragter nach «Porno-Aufruf» zurückgetreten
Der Zürcher Männerbeauftragte Markus Theunert hat seinen am 1. Juli angetretenen Job bei der kantonalen Gleichstellungs-Fachstelle bereits wieder gekündigt. Er war nicht bereit, auf sein Amt als Präsident des Vereins männer.ch zu verzichten.
Zum Verhängnis geworden sind dem 39-Jährigen Zeitungsartikel wie «Männerlobby für Pornos an Schulen» (»NZZ am Sonntag») oder «Lehrer sollen Schülern Pornofilme zeigen» (»20 Minuten»). Die Artikel zitierten eine Stellungnahme des Vereins «männer.ch», dessen Präsident Theunert ist.
Die Doppelfunktion und das damit verbundene Spannungsfeld hätten nicht aufgelöst werden können, schreibt die Direktion der Justiz und des Innern in ihrer Mitteilung. Theunerts Kündigung diene der Klärung und wahre die Glaubwürdigkeit der neu geschaffenen Stelle des kantonalen Männerbeauftragten.
Die Zeitungsartikel zur Stellungnahme des Dachverbandes Schweizer Männer- und Väterorganisationen (männer.ch) vom letzten Oktober zu einer Strafgesetzbuch-Änderung hatten hohe Wellen geworfen und viele empörte Reaktionen provoziert. Die Aussage, der Verband befürworte, dass Lehrer Pornos zeigen, sei zugespitzt und falsch, sagte Theunert.
Kein eigentliches Gleichstellungsthema
Der Verband sei allerdings dafür, dass Eltern und «geschulte Fachleute» sich nicht strafbar machen sollen, wenn sie «mit klarem pädagogischem Ziel» pornografische Darbietungen unter 16-Jährigen zugänglich machen.
Die Mehrheit der unter 16-Jährigen sei heute ohnehin schon mit Pornos konfrontiert – vor allem durchs Internet, erläuterte Theunert die Stellungnahme. Es sei deshalb sinnvoll, wenn die gesetzlichen Grundlagen der gesellschaftlichen Realität angepasst würden. So solle es möglich sein, Pornografie an den Schulen zu thematisieren, allerdings nicht durch Lehrer, sondern durch geschulte Fachleute, sagte Theunert.
Es habe sich eigentlich nicht um ein Thema gehandelt, das die Gleichstellungs-Fachstelle betrifft, sagte deren Leiterin Helena Trachsel. Die Artikel, in denen Theunert zitiert wurde, hätten aber zu Irritationen bei Partnerorganisationen – wie anderen Gleichstellungsbüros oder Non-Profit-Fachstellen – geführt.
In der öffentlichen Wahrnehmung scheine keine Trennung zwischen seinem ehrenamtlichen Engagement als männer.ch-Präsident und seiner staatlichen Aufgabe als Männerbeauftragtem möglich, erklärte Theunert.
Erster Männerbeauftragter überhaupt
Die Fachstelle habe die Weiterbeschäftigung als Männerbeauftragter von seinem Rücktritt aus dem männer.ch-Vorstand abhängig gemacht. Diese Bedingung könne und wolle er nicht erfüllen. Beruflich werde er sich nun dem weiteren Aufbau seiner politisch-psychologischen Beratungsfirma widmen.
Die Schaffung der Stelle des Männerbeauftragten bei der Fachstelle für Gleichstellung von Frau und Mann des Kantons Zürich war eine Schweizer Premiere. Sie bedeute eine klare Botschaft des Kantons, dass ein stärkerer Einbezug der Männer in die Gleichstellungsbemühungen erwünscht sei, hiess es bei der Bekanntgabe der neuen Funktion.
Die Fachstelle will dafür sorgen, dass Knaben und Mädchen sowie Männer und Frauen in Ausbildung und Arbeitswelt gleichberechtigt sind. Ein wichtiges Element ist dabei gemäss Trachsel die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben.
(sda/gern; buev)






