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International

Indien: Zehntausende fliehen vor Kämpfen

Dienstag, 24. Juli 2012, 0:09 Uhr

Im nordostindischen Staat Assam sind Zehntausende Menschen vor Kämpfen zwischen Angehörigen der Bodo-Volksgruppe und muslimischen Siedlern geflohen. Bei Auseinandersetzungen in den vergangenen Tagen wurden nach offiziellen Angaben mindestens 19 Menschen getötet.

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Der Polizeichef von Assam, J.N. Choudhury, sagte, weitere zehn Menschen würden nach den Unruhen im Bezirk Kokrajhar im Westen Assams vermisst. Die Gewalt habe sich auf zwei angrenzende Bezirke ausgeweitet. Die Polizei stiess vielerorts auf mit Macheten zerstückelte Leichen.

Bewaffnete Gruppen zogen nach Angaben von Entwicklungshelfern und Polizisten durch das Dschungelgebiet und zündeten reihenweise Bambushütten an. Ein Dorf nach dem anderen sei niedergebrannt worden, sagte ein hochrangiger Polizist, der anonym bleiben wollte. «Das ist der völlige Wahnsinn hier. Die Leute sind von allen guten Geistern verlassen.»

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Die indische Regierung schickte Truppen in die Region. Mit Einbruch der Dunkelheit galt eine Ausgangssperre, um eine Ausbreitung der Gewalt zu verhindern.

Tod von Jugendlichen als Auslöser 

Die Beziehung zwischen den Bewohnern der Region und den Einwanderern vor allem aus Bangladesch ist seit Jahren angespannt. Die Kämpfe begannen nach Angaben lokaler Behörden Freitagnacht, als Unbekannte vier Jugendliche im Bezirk Kokrajhar nahe den Grenzen zu Bangladesch und Bhutan töteten.

Darauf griffen dort lebende Mitglieder der Volksgruppe Bodo Muslime an, denen sie die Taten zur Last legten. Am Montagnachmittag blockierten der Polizei zufolge Hunderte, teils mit Speeren bewaffnete Menschen Bahngleise und hinderten so einen Expresszug an der Weiterfahrt. Sie verlangten die Aushändigung mehrerer Männer, die im Zusammenhang mit der Tötung der Jugendlichen in Gewahrsam sitzen.

Mittlerweile hat die Gewalt ein solches Ausmass erreicht, dass etwa 50'000 Dorfbewohner nach Angaben eines Behördenmitarbeiters auf der Flucht sind. 37 Flüchtlingslager seien errichtet worden, Schulen und Regierungsgebäude seien überfüllt. «Es kommen immer mehr Leute. Wir haben es aufgegeben, sie zu zählen.»

(sda/dapd/reuters/vaid; kunb)