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Schweiz

Katars Luftwaffe kauft für 600 Millionen Pilatus-Flieger

Montag, 23. Juli 2012, 13:55 Uhr

Der Stanser Flugzeugbauer Pilatus hat Grund zum Feiern. 600 Millionen Franken wird ihm ein Deal mit dem arabischen Emirat Katar in die Kasse spülen. Unter anderem 24 PC-21 Trainingsflugzeuge sollen hierfür geliefert werden. Die GSoA ist empört.

Bild Nahaufnahme des roten Hecks einer PC-21. Daneben ist ein Pilatus-Mitarbeiter zu sehen.
Die Pilatus-Arbeiterschaft in Stans dürfte erfreut sein: Mit dem jüngsten PC-21-Deal ist die Unternehmens-Auslastung in den nächsten Jahren gesichert. reuters

Die Luftwaffe von Katar hat einen Vertrag für ein komplettes PC-21-Trainingssystem unterzeichnet. Der Auftrag im Wert von über 600 Millionen Franken umfasst unter anderem 24 PC-21 Trainingsflugzeuge.

Neue Flugzeuge für neue Akademie

Dazu gehören auch Simulatoren sowie eine umfassende Logistik- und Unterhaltsunterstützung, wie Pilatus mitteilte. Die katarische Luftwaffe habe sich nach einer «äusserst detaillierten und anspruchsvollen Evaluation», die in der Schweiz und in Katar stattfand, für das PC-21 Trainingssystem entschieden.

Die PC-21 werden für das Training angehender Militärpiloten auf der neu erstellten Luftwaffenakademie in Katar eingesetzt. Die Auslieferung der Flugzeuge ist ab Mitte 2014 vorgesehen, das Training soll Mitte 2015 starten. Pilatus unterstützt die Flugoperationen vor Ort.

«Die Schweiz liefert damit Zündstoff ins Pulverfass Naher Osten».
GSoA-Sekretär Stefan Dietiker

Weniger entzückt über den Megadeal ist man bei der Gemeinschaft Schweiz ohne Armee (GSoA). Nur Stunden nach Bekanntgabe des Katargeschäfts meldete sich die NGO mit einer geharnischten Stellungnahme. Das Emirat beteilige sich zusammen mit Saudi-Arabien seit letztem Frühling aktiv an der Niederschlagung der Demokratiebewegung in Bahrain, schreibt die Organisation.

Das eher problematische Verhalten Katars in Sachen Kriegsmaterial-Importe war bereits im letzten Sommer Gegenstand einer Enthüllungsgeschichte der Sendung «10vor10» des Schweizer Fernsehens. Die Sendung machte publik, dass Munition des bundeseigenen Rüstungskonzern Ruag in Libyen zum Einsatz gekommen ist.

«10vor10» 28.7.2011: Umstrittener Deal der Pilatur-Werke mit Katar

Der GSoA-Sekretär Stefan Dietiker findet denn auch deutliche Worte: «Militärische Trainingsflugzeuge können problemlos bewaffnet werden und dienen der Ausbildung von Kampfflugzeug- und Bomberpiloten. Die Schweiz liefert damit Zündstoff ins Pulverfass Naher Osten.»

Seco hat noch nicht entschieden

Ein Entscheid, ob Pilatus die Flugzeuge überhaupt liefern darf, ist noch nicht gefallen, hiess es beim Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) auf Anfrage. Zwar habe der Bundesrat am 20. April 2011 die Ausfuhr von 12 unbewaffneten militärischen Trainingsflugzeugen des Typs PC-21 nach Katar bewilligt.

Pilatus habe aber in der vergangenen Woche ein aktualisiertes Gesuch eingereicht, sagte eine Seco-Sprecherin. Dieses werde zurzeit von der zuständigen Exportkontrollgruppe geprüft. Diese besteht aus Vertretern des Seco, des Verteidigungs- und des Aussendepartementes.

Kriegsmaterialgesetz greift bei PC-21 nicht

Eine Bewilligung kann laut Seco verweigert werden, wenn gegenüber dem Bestimmungsland ein internationales Embargo besteht, die Güter im Zusammenhang von Massenvernichtungswaffen stünden oder das Bestimmungsland durch sein Verhalten die regionale oder globale Stabilität beeinträchtige. Die Beachtung von Menschenrechten spielt ebenfalls eine Rolle.

Trainingsflugzeuge fallen nicht unter das Kriegsmaterialgesetz. Gemäss Güterkontrollgesetz gelten unbewaffnete militärische Trainingsflugzeuge als besondere militärische Güter. Der PC-21 sei als Trainingsflugzeug konzipiert und könne aus technischer Sicht nachträglich ohne Unterstützung des Hersteller kaum bewaffnet werden, hiess es beim Seco weiter.

Kriegsmaterial schafft Arbeitsplätze

Unabhängig davon würde der Auftrag mit der «Qatar Emiri Air Force» im Wert von über 600 Millionen Franken und die anderen Grossaufträge, welche Pilatus in diesem Jahr gewinnen konnten, dem Unternehmen volle Auslastung über die nächsten Jahre sichern, heisst es bei Pilatus.

Pilatus plant, rund 400 neue Arbeitsplätze in der Schweiz zu schaffen. Im Mai dieses Jahres verkaufte Pilatus 75 PC-7 MkII an Indien. Einen Tag später unterzeichnete der Flugzeugbauer den grössten Auftrag in seiner Geschichte: Er verkauft Saudi Arabien 55 PC-21.

(sda/from;fasc)