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Schweiz

Grippeimpfstoff unzureichend: «Kann häufiger geschehen»

Montag, 23. Juli 2012, 12:13 Uhr, Aktualisiert 14:22 Uhr

Im vergangenen Winter war die Schweiz nur von einer leichten Grippeepidemie betroffen. Zum Glück, wie sich jetzt herausstellt. Denn die Influenza-Viren wurden durch den saisonalen Grippeimpfstoff nur unvollständig abgedeckt. Trotzdem rät das Bundesamt für Gesundheit (BAG) zur Impfung.

Der Grund: Die Influenza-Viren haben sich während der Grippesaison 2011/12 so verändert, dass der Impfstoff die veränderten Varianten nur noch teilweise abdeckte. Dies schreibt das Bundesamt für Gesundheit (BAG) in seinem wöchentlich erscheinenden Bulletin.

Bild Arztgehilfin gibt einem Patienten eine Grippeimpfung. (keystone)
Nächste Saison sollen die Komponenten des Grippeimpfstoffes deshalb angepasst werden. keystone/symbolbild

Zu einer solchen Diskrepanz zwischen Impfstoff und Influenza-Viren komme es durchschnittlich alle fünf bis zehn Jahre. «Es kann aber auch häufiger geschehen», erklärt Daniel Koch, Leiter der Abteilung Übertragbare Krankheiten beim BAG. Es handle sich dabei um einen laufenden Prozess. Viren mutieren dabei regelmässig, «entfernen sich vom Stamm, aber es gibt selten grosse Sprünge».

Impf-Empfehlung der WHO

Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt jeweils im Februar die Zusammensetzung des Grippeimpfstoffs für die kommende Wintersaison auf der Nordhalbkugel. Die Empfehlung beruht auf Auswertungen des Vorjahrs, Viruscharakterisierungen sowie epidemiologischen Daten und serologischen Studien. Auch Influenza-Viren, die während unserer Sommer-Monate auf der Südhalbkugel – im dortigen Winter – im Umlauf sind, werden untersucht. Allfällige Mutationen werden für den neuen Impfstoff berücksichtigt.

Gemäss BAG-Bulletin sei es dadurch unter den Geimpften auch zu mehr Erkrankungsfällen gekommen «als zu erwarten gewesen wäre», so das BAG. Trotz Impfung erkrankten 7,2 Prozent von 3058 gemeldeten Patienten – vergangenes Jahr war dies nur fünf Prozent.

Sterberate erhöht

Die letzte Grippeepidemie dauerte neun Wochen, von Ende Januar bis Ende März 2012. Während der gesamten letztjährigen Grippesaison (1. Oktober 2011 bis 4. Mai 2012) konsultierten rund 144'000 Personen mit einer grippalen Erkrankung ihren Hausarzt – weniger als in früheren Jahren.

Bild Anzahl wöchentlicher Konsultationen aufgrund grippaler Erkrankungen - hochgerechnet auf 100'000 Einwohner. (bundesamt für gesundheit)
Anzahl wöchentlicher Konsultationen wegen Grippe, hochgerechnet auf 100'000 Einwohner. Der Schwellenwert ergibt sich aufgrund der epidemiologischen Daten der letzten 10 Grippesaisons in der Schweiz. 2011/12 lagt der Wert bei 67 Grippeverdachtsfällen pro 100'000 Einwohner. bundesamt für gesundheit

Auch auf dem Höhepunkt der Grippewelle war die Zahl der Arztbesuche deutlich tiefer als im Durchschnitt der zehn Vorjahre. Bei den Menschen im Rentenalter war die Anzahl während dieser Zeit jedoch leicht höher als erwartet. Das BAG vermutet dahinter schwerwiegendere Verläufe der Grippe. Denn im Vorjahr waren in etwa gleich viele Rentner wegen Grippesymptomen zum Arzt gegangen, und doch starben nicht mehr.

Grippeimpfung noch sinnvoll?

Besteht etwa ein Zusammenhang zwischen unzureichendem Impfstoff und höherer Sterberate bei Älteren? «Das ist schwierig abzuschätzen», erklärt Daniel Koch vom BAG. Zu viele Faktoren wie auch das Wetter oder die Immunitätslage hätten Einflüsse.

Trotzdem sieht Koch keinen Grund, von einer Impfung abzusehen. «Es ist das einzige Mittel, das wir momentan gegen die Grippe haben, auch wenn der Impfstoff nicht immer optimal wirkt.»

(sda/sf/mery; from)