Krise im Euro-Land
Griechenland laut Experten kurz vor Euro-Austritt
Die Hoffnung schwindet, dass Athen im Euroland wieder auf die Beine kommen kann. Ein Euro-Austritt Griechenlands halten Politiker und Ökonomen für zunehmend wahrscheinlicher. Doch ist ein solcher Schritt überhaupt möglich und wie könnte er aussehen?
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Die Rufe nach einem Austritt Griechenlands aus der Eurozone werden wieder lauter, nachdem durch die zweimaligen Parlamentswahlen fast alle Reformvorhaben im Land liegen geblieben sind. Auch Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker hatte eingeräumt, Experten würden Pläne für den Notfall ausarbeiten, sollte Athen nicht zu seinen Sparzusagen stehen.
Allerdings ist ein direkter Rauswurf aus der Eurozone durch die anderen Mitgliedsländer nicht möglich. Das sehen die EU-Verträge nicht vor. Allerdings könnte Griechenland von sich aus erklären, sich vom Euro zu verabschieden. Aber auch in diesem Fall wäre dies Neuland für das gesamte Euro-System, das dafür keine Regelungen kennt.
Währungswechsel zwischen Chancen und Gefahren
Mit grosser Wahrscheinlichkeit würde der Euro-Abschied zunächst den kompletten wirtschaftlichen Zusammenbruch des Krisenlandes bedeuten. Ohne Euro müsste Griechenland wieder eine eigene Währung einführen, etwa die alte Drachme. Sie würde vermutlich drastisch an Wert verlieren, etliche Ökonomen schätzen um die 50 Prozent.
Die Abwertungseffekte würden dann aber Exporte verbilligen und die Wettbewerbsfähigkeit Griechenland international steigern. Ob diese Effekte jedoch schnell genug eintreten, damit Griechenland absehbar wieder auf die Beine kommt, ist fraglich. Auch würden sich die Importe wie Öl und Benzin drastisch verteuern.
Gehälter, Renten oder Pensionen würden in der neuen, vergleichsweise «schwachen» Währung gezahlt. Diejenigen, die über viel Euro-Bargeld verfügen, weil sie das Geld ins Ausland gebracht oder zuhause liegen haben, stünden vergleichsweise gut da.
Mischrechnung dank Zweitwährung
Von Ökonomen gibt es auch Vorschläge für die Einführung einer Parallelwährung, beispielsweise dem «Geuro», wobei der Staat Schuldscheine an seine Bediensteten ausgeben könnte statt sie direkt zu bezahlen. Die Zweitwährung würde gegenüber dem Euro im Wert sinken.
Auch in diesem Fall könnten griechische Exporteure im Ausland billiger anbieten, die griechische Wirtschaft könnte so ihre Konkurrenzfähigkeit steigern, was dringend nötig wäre, damit sie aus der Rezession herauskommt. Die Lösung einer Zweitwährung soll dabei dem Land die Rückkehr zu einer vollen Mitgliedschaft in die Eurozone sichtbar offenhalten.
Einschätzungen von SF-Korrespondent Jonas Projer
Der IWF will keine neuen Gelder mehr für das krisengebeutelte Griechenland locker machen. Jonas Projer, SF-Korrespondent in Brüssel, liefert eine Einschätzung zur Bedeutung dieser Ankündigung.
Druck und Frust
«Der IWF verfolgt damit aus meiner Sicht zwei Ziele. Einerseits will er den Druck auf Griechenland vor dem nächsten Besuch der Troika erhöhen, damit die Regierung in Athen den Forderungen der EU nachkommt. Der politische Aspekt dieser Ankündigung ist also gross – ein Entscheid wird allerdings erst nach Vorliegen des Troika-Berichtes Anfang September fallen.
Andererseits will der IWF seine Frustration gegenüber den Euro-Rettern zum Ausdruck bringen. Seiner Ansicht nach ist die Krisenbewältigung in Europa viel zu zögerlich verlaufen. Insbesondere bei Spanien und Italien hätten vor allem die Deutschen mutiger reagieren sollen, findet der IWF.»
Bei Einführung einer neuen Währung wäre besonders schwerwiegend, dass für Griechenland die in Euro aufgenommenen Altschulden infolge der Abwertungseffekte drastisch steigen würden. Das Bankensystem geriete ins Wanken. Deshalb sollte die Einführung einer neuen Währung laut Fachleuten nur geordnet verlaufen, wobei grosszügige Überbrückungshilfen und Stützung der Banken notwendig wären.
Gefahr einer «Austritts-Epidemie»
Ob das Euro-Währungsgebiet einen Austritt der Hellenen verkraften würde, ist fraglich. Ökonomen warnen vor der Ansteckungsgefahr für weitere Sorgenkinder wie Spanien, Italien oder Portugal. Denn letztlich könnte sich kein Investor mehr darauf verlassen, dass nicht auch andere Länder aus dem Euroraum ausscheren.
Vermutlich würden die Risikoaufschläge für Staatsanleihen entsprechender Länder so stark steigen, dass diese ähnlich wie Griechenland an den Rand der Zahlungsunfähigkeit kämen. Letztlich könnte so der gesamte Währungsraum ins Wanken geraten. Aus Sicht von Politikern ist diese Gefahr jedoch deutlich geringer geworden, nachdem grössere Euro-Rettungsschirme aufgespannt worden sind.
(agenturen/buev/gern;galc)



