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International

Experte: «Waffen gehören zur amerikanischen Identität»

Montag, 23. Juli 2012, 10:19 Uhr

Der USA-Experte Henning Riecke erwartet nach dem Amoklauf von Colorado keine Änderung der Waffenkultur in Amerika. Eine Verschärfung des Waffenrechts sei dort ein sehr heikles Thema.

«Tatsächlich ist es so, dass in den USA mehr als irgendwo sonst Verbrechen mit Feuerwaffen begangen werden. (...) Aber die Befürworter des Waffenrechtes ziehen eben gerade aus diesem Umstand das Argument, dass die Amerikaner eben auch Waffen tragen müssen, um sich zu verteidigen», sagte Henning Riecke von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik.

Bild Mehrere Männer stehen vor einem Waffenregal und begutachten die Waffen.
Der Amerikaner will seine Waffen. Daran wird auch ein erneuter Amoklauf nichts ändern, glaubt der Experte. keystone/symbolbild

«Das ist eine amerikanische Überzeugung, die man vergleichen kann mit der deutschen Überzeugung, dass man auf der Autobahn so schnell fahren darf, wie es irgend geht.» Sicherlich werde die Debatte über strengere Waffengesetze von einem solchen Verbrechen angeheizt. «Aber das ändert nichts an der grundsätzlichen Verfügbarkeit.»

Mächtige Lobby

Allenfalls graduelle Veränderungen für den Verkauf von Waffen kann Riecke sich vorstellen: «Es kann sein, dass dann bei nächster Gelegenheit eine Registrierungspflicht leichter durchgeht oder das man nicht mehr überall das Recht hat, Waffen zu kaufen, ohne vorher irgendeine Prüfung der eigenen Straffälligkeit über sich ergehen zu lassen.» Aber dass sich die Waffenkultur insgesamt durch solche Ereignisse verändert, ist laut Riecke unwahrscheinlich.

Zudem sei die Nationalen Organisation der Waffenbesitzer (National Rifle Association/NRA) ein sehr mächtiger Verband. Die NRA habe sehr grossen politischen Einfluss und spende viel Geld an Kandidaten in Washington, «so dass sehr wenige Politiker in Washington gegen die NRA argumentieren», sagte der deutsche USA-Fachmann. «Für viele gerade im Süden und im Westen ist es einfach Teil ihrer amerikanischen Identität, Waffen zu tragen.»

Gefährliches Mittelamerika

In den USA werden jedes Jahr 3 von 100‘000 Einwohnern erschossen. Diese Rate ist seit Jahren gleichbleibend. Das geht aus einer seit 1995 geführten Statistik des UNO-Büros für Drogen und Kriminalität hervor, die jedoch lückenhaft ist.

In Mexiko starben 2010 rund 10 Personen pro 100‘000 Einwohner an Schussverletzungen. In Kolumbien betrug die Rate 28,1. Traurige Spitzenreiter sind Honduras (68,4), Jamaika (39,4) und Venezuela (39,0). 

In den europäischen Ländern gibt es weniger als einen Erschossenen pro 100‘000 Einwohner. In Deutschland betrug sie 0,2 und ist seit Jahren konstant. Besonders sicher ist es in Island mit null derartigen Vorkommnissen in den vergangenen Jahren. Weltweit gibt es auch in Singapur und Japan so gut wie keine Todesopfer als Folge von Schusswaffengewalt.

(dpa/gern;fref/fasc)