International
Anschlagswelle: Blutiger Ramadan im Irak
Eine Welle der Gewalt hat drei Tage nach Beginn des Fastenmonats Ramadan den Irak erschüttert. Mindestens 111 Menschen wurden getötet, fast 200 erlitten Verletzungen. Es ist der schwerste Gewaltausbruch seit zwei Jahren.
Alle Anschläge lassen sich kaum auf einer Karte des Irak darstellen. Nach Angaben von Sicherheitsbeamten und der Gesundheitsbehörden verübten die Täter insgesamt mindestens 22 Anschläge in 14 Städten. Damit handelte es sich nach offiziellen Angaben um den blutigsten Tag seit mehr als zwei Jahren im Irak. Die Gewalt im Irak hatte seit 2007 kontinuierlich abgenommen.
Zu den Angriffen bekannte sich bislang niemand. Das Terrornetzwerk Al-Kaida hatte jedoch angekündigt, seinen Kampf intensivieren zu wollen. Ziel sei es, «Richter und Staatsanwälte auszulöschen» und inhaftierte Aktivisten zu befreien, erklärte der Chef des Kaida-Zweiges Islamischer Staat im Irak (ISI), Abu Bakr al-Bagdadi, in einer Audio-Botschaft.
Acht Autobomben in Kirkuk
Allein 15 irakische Soldaten starben, als Bewaffnete eine Kaserne in der Ortschaft Al-Duluija, 80 Kilometer nördlich von Bagdad, überfielen. Die Aufständischen beschossen das Militärlager mit Granaten und drangen anschliessend in das Gebäude ein, bestätigten Sicherheitsquellen in der Provinzhauptstadt Tikrit.
In der benachbarten Provinz Dijala starben bei Autobombenanschlägen in der Hauptstadt Bakuba, 60 Kilometer nördlich von Bagdad, sowie in Chan Bani Saad, 30 Kilometer nördlich von Bagdad, mindestens sechs Menschen. 32 weitere erlitten Verletzungen, berichtete die Polizei in Bakuba.
In der nordirakischen Erdölstadt Kirkuk explodierten acht Autobomben. Sie töteten mindestens acht Menschen und verletzten weitere 35. Bei Anschlägen am Sonntag waren im Irak insgesamt neun Menschen getötet worden.
Anschläge seit dem Abzug der US-Truppen
Am 18. Dezember 2011 zogen die US-Truppen aus dem Irak ab. Seither wurden hunderte Menschen bei Anschlägen getötet, meist im Machtkampf von Schiiten und Sunniten. Eine Auswahl:
Juli 2012: Mit Sprengsätzen richten Terroristen in zwei vorwiegend von Schiiten bewohnten Städten ein Blutbad mit mindestens 35 Toten und über 100 Verletzten an.
Juni: 29 schiitische Pilger sterben bei Bombenanschlägen, mindestens 80 werden verletzt. Bei einer Serie von Bombenanschlägen und Schiessereien kommen mehr als 70 Menschen ums Leben. 200 werden verletzt.
April: Terroristen überziehen den Irak mit Attentaten und Autobombenanschlägen. Dabei sterben insgesamt 49 Menschen, darunter ein Selbstmordattentäter.
März: Autobomben und andere Sprengsätze töten mindestens 56 Menschen, mehr als 150 werden verletzt. Zu den Taten bekennt sich eine dem Terrornetz Al-Kaida nahestehende Gruppe.
Februar: Bei einer Serie von Bombenanschlägen sterben mindestens 50 Menschen. Ziel sind vor allem Polizisten.
Januar: Bei einem Selbstmordanschlag in Basra sprengt sich der Attentäter inmitten von schiitischen Pilgern in die Luft und tötet mindestens 61 Menschen. Am Folgetag explodieren in der überwiegend von Sunniten bewohnten Stadt Ramadi mehrere Bomben und töten mindestens zehn Menschen. In Bagdad und in der Provinz Nassirija sterben bei Anschlägen insgesamt 87 Menschen, darunter viele schiitische Gläubige.
22. Dezember 2011: Terroristen töten bei einer Anschlagsserie in Bagdad mehr als 70 Menschen. Die Bomben explodieren in Stadtvierteln, in denen sowohl Schiiten und Sunniten als auch Christen leben.
(agenturen/fasc;fref)



