Inhalt

International

Gedenken in Norwegen: «Die Menschen haben gesiegt»

Sonntag, 22. Juli 2012, 11:41 Uhr, Aktualisiert 16:12 Uhr

Ein Jahr nach der Terrorserie in Oslo und Utøya hat Norwegen an die 77 Todesopfer erinnert. Überall im Land fanden Gedenkfeiern statt. «Der Attentäter wollte Norwegen verändern», sagte Premierminister Jens Stoltenberg in Oslo. «Er ist gescheitert.»

Der Attentäter habe am 22. Juli 2011 viele Menschen getötet und unfassbares Leid ausgelöst, sagte Stoltenberg bei einer Kranzniederlegung vor dem beschädigten Regierungsgebäude in Oslo. Sein eigentliches Ziel habe er aber verfehlt. «Das norwegische Volk hat geantwortet, indem es zu den eigenen Werten stand», so Stoltenberg.

Er forderte seine Landsleute zu Toleranz und Wärme auf. «Heute sollten wir einander daran erinnern, dass Liebe ewig anhält.» Das Gute und die Freude liessen sich nicht auslöschen. «Die Menschen siegten», sagte Stoltenberg, der Rosen in den Landesfarben Rot und Weiss trug.

Auch beim anschliessenden Gedenkgottesdienst im Dom von Oslo beschwor Bischöfin Helga Haugland Byfuglien die Kraft des Zusammenhalts. «Das Licht leuchtet in der Dunkelheit. Die Dunkelheit konnte es nicht bezwingen», sagte sie.

Norweger vertrauen ihrer Demokratie

Ein Jahr nach dem Terror von Oslo und Utøya sehen die Norweger ihr Land positiver als vorher. Sie schliessen darin Zuwanderer ein, die der Attentäter treffen wollte. Mehr.  

Vor dem Gebäude, das bis zum Bombenanschlag sein Arbeitsplatz war, legte Stoltenberg einen Kranz nieder. Auch König Harald V. von Norwegen war bei der Zeremonie anwesend. Im Regierungsviertel von Oslo hatte der Attentäter Anders Behring Breivik vor einem Jahr eine Autobombe gezündet und dabei acht Menschen getötet. Später tötete er auf der kleinen Fjordinsel Utøya nahe der Hauptstadt 69 Teilnehmer eines Jugendlagers.

Trauerfeier in Utøya

Auch dort wurde an die Opfer des Anschlags erinnert. Die Gedenkfeier auf Utøya fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, nur Überlebende und Angehörige hatten Zugang. Auch Premier Stoltenberg stiess später zu den Trauernden. Sie gedachten der Opfer mit einer Schweigeminute und liessen einen grossen Ballon in Herzform in den Himmel aufsteigen, an dem Zettel mit persönlichen Botschaften hingen.

Gedenkfeiern in Norwegen (Tagesschau, 22.07.2012).

«Sehr wenigen Menschen gelingt es, auch nur einen Tag lang nicht an die Ereignisse des 22. Juli zu denken», sagte ein Überlebender, der sich während des Anschlags mit etwa 50 anderen in einer Hütte verbarrikadiert hatte. «Es hat mich verändert», bekannte er. «Jetzt bin ich für jeden Augenblick dankbar, geniesse mein Leben hier und jetzt.»

Der Attentäter Anders Behring Breivik hatte sich nach seinem eineinhalbstündigen Massaker auf der Insel von der Polizei festnehmen lassen. Er steht seit April vor Gericht, das Urteil wird am 24. August erwartet.

(dpa/krua;godc)