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International

Schwere Gefechte in Aleppo

Samstag, 21. Juli 2012, 1:41 Uhr, Aktualisiert 16:50 Uhr

Lange Zeit war es in Syriens zweitgrösster Stadt Aleppo ruhig geblieben, dann formierte sich der Protest auch dort. Inzwischen ist die Stadt umkämpft, Augenzeugen berichten von heftigen Gefechten in den vergangenen Stunden. Unklar ist die Lage in Damaskus.

Weiterhin schwere Kämpfe in Syrien (Tagesschau, 21.07.2012).

In Aleppo liefern sich Armee und Aufständische seit Freitagvormittag offenbar ihre bisher schwersten Gefechte. Nach Angaben der in London ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurde auch am Morgen weiter gekämpft. Viele Bewohner seien auf der Flucht vor der Offensive, berichten Augenzeugen.

In Aleppo war der Widerstand gegen Präsident Baschar al-Assad erst in den vergangenen Monaten gewachsen. Inzwischen gilt die Universität von Aleppo als Zentrum der Widerstandsbewegung der Stadt.

Bild Syrienkarte, eingezeichnet sind Aleppo und Damaskus.
Zweitgrösste Stadt des Landes: Aleppo im Norden Syriens. sf

 
Widersprüchliche Berichte aus Damaskus

Unklar ist, wie es derzeit in Damaskus aussieht. Lageberichte aus der syrischen Hauptstadt sind widersprüchlich. Während es in einigen Agenturen heisst, die Situation sei angespannt, zumindest im Zentrum der Stadt werde aber nicht gekämpft, ist in anderen von neuen Gefechten die Rede.

Reuters meldet, Armeehelikopter hätten in der Nacht Stellungen der Rebellen mit Raketen angegriffen. Panzer sollen zudem von der Ringstrasse aus das Zentrum ins Visier genommen haben. Die Nachrichtenagentur dpa hatte hingegen von einer relativ ruhigen Nacht in Damaskus berichtet. Zumindest im Zentrum seien keine Bombardements zu hören gewesen, zitierte die Agentur die Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Im Süden der Stadt sollen die Viertel Kadam und Assali von der Armee beschossen worden sein.

Die syrische Armee hatte als Reaktion auf die von den Rebellen am Dienstag ausgerufene «Schlacht der Befreiung» von Damaskus eine Gegenoffensive gestartet. Nach heftigen Kämpfen übernahmen sie am Freitag die Kontrolle über das Viertel Midan in der Hauptstadt.

Immer mehr Menschen verlassen das Land

Die Gefechte im Land treiben inzwischen immer mehr Syrer in die Flucht. In den vergangenen Tagen überquerten Zehntausende die Grenzen zu den Nachbarländern – allein im Libanon sollen 30'000 Menschen angekommen sein. Die libanesische Zeitung «Daily Star» berichtete, am Checkpoint Masnaa hätten sich Autos fast einen Kilometer lang in Viererreihen gestaut. Masnaa ist etwa 50 Kilometer von Damaskus entfernt.

Einschätzungen von Pascal Weber, SF-Korrespondent in Beirut (Tagesschau, 21.07.2012).

Viele Iraker fliehen zum zweiten Mal

Auch tausende Iraker sollen die Grenze von Syrien nach Irak überquert haben – ein besonders bitterer Schritt für viele, sie waren ursprünglich vor dem Bürgerkrieg im eigenen Land nach Syrien geflohen. Die irakischen Behörden meldeten, etwa 1000 Iraker seien in acht Flügen aus Damaskus geflohen. Zudem seien Tausende auf dem Landweg über die Grenze gekommen.

Bild Ein Soldat auf einem Wagen fährt in der Nacht auf umzäunter Strasse
Irakische Grenzwächter patrouillieren den grössten syrisch-irakischen Grenzposten Abu Kamal-Qaim. reuters

Nach Angaben der UNO sind seit Beginn der Kämpfe vor gut eineinhalb Jahren etwa 120'000 Syrer ins Ausland geflohen. Die meisten von ihnen sollen sich im Libanon und in der Türkei aufhalten. Innerhalb des Landes sind schätzungsweise eine Million Menschen auf der Flucht vor den Kämpfen.

Zeit für Diplomatie in Syrien ist abgelaufen

Die internationale Gemeinschaft findet keine Antwort auf den in Syrien tobenden Konflikt. Die blutigen Gefechte haben sich offenbar ohnehin bereits verselbstständigt. Dabei haben durchaus ausländische Kräfte ihre Finger im Spiel, ist ein Experte überzeugt. Mehr.

(agenturen/buev/krua;godc)