International
Schwere Gefechte in der syrischen Hauptstadt
Gefechtslärm, Explosionen, verängstigte Bewohner: In vielen Vierteln von Damaskus wird weiter erbittert gekämpft. Präsident Assad muss derweil einen weiteren Verlust hinnehmen: Nach dem Anschlag vom Mittwoch ist auch der Geheimdienstchef seinen Verletzungen erlegen.
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In Syriens Hauptstadt Damaskus liefern sich Aufständische und Regierungstruppen weiterhin heftige Gefechte. Dabei ist kaum auszumachen, wer dort zurzeit die Oberhand hat. Das Staatsfernsehen berichtete, die Armee habe ein zuvor von den Aufständischen erobertes Gebiet wieder zurückerobert. Die Armee habe das Viertel Midan von den «Resten bezahlter Terroristen gereinigt», hiess es in dem Bericht. Die Opposition bestätigte die Angaben.
Syrische Streitkräfte zeigten Reportern stolz Leichen von Aufständischen, die in den trümmerübersäten Strassen lagen. Die Aufständischen wiederum behaupten, sie hätten sich zurückgezogen, um ihren Guerilla-Krieg fortzuführen.
480 Tote in zwei Tagen
Die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete zudem heftige Kämpfe aus den Vierteln Kafar Susse und Hadschar al-Aswad im Südwesten und Süden der Hauptstadt. Auch das im Osten von Damaskus gelegene Viertel Kabun sei erstmals mit Panzern und Truppentransportern angegriffen worden.
Landesweit starben am Freitag Angaben von Aktivisten über 170 Menschen, davon etwa 50 in Damaskus. Mit 310 Toten war der Donnerstag der bislang blutigste Tag seit Beginn der Proteste gegen Präsident Assad im März 2011, wie die Aufständischen sagten. Eine unabhängige Berichterstattung aus Syrien ist nur sehr schwer möglich.
Russland behält syrische Helikopter zurück
Die russische Regierung liefert vorerst keine Helikopter mehr nach Syrien. Die Rückgabe von drei in Russland reparierten Kampfhubschraubern sei verschoben worden, berichtet die Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf russische Militärkreise. «Unter den aktuellen Umständen kann die syrische Führung die sichere Abnahme der Hubschrauber nicht gewährleisten.» Russland und Syrien hatten die Reparaturarbeiten 2008 vertraglich vereinbart.
Verletzter Geheimdienstchef gestorben
Die schweren Gefechte halten seit dem vergangenen Wochenende an. Sie wurden angeheizt durch einen schweren Anschlag auf den innersten Machtzirkel von Präsident Baschar al-Assad, bei dem am Donnerstag mehrere hochrangige Regierungsvertreter getötet worden waren.
Unter Opfern des Anschlags waren der Verteidigungsminister, ein Schwager Assads und – wie am Freitag bekannt wurde – auch der Geheimdienstchef des Landes. Hischam Bechtjar sei seinen Verletzungen im Spital erlegen, berichtete das Staatsfernsehen. Der Anschlag vom Mittwoch wird als schwerer Schlag für Präsident Assad gewertet.
Wo ist Präsident Assad?
Syriens Präsident Baschar al-Assad ist kein Mann, der den grossen Auftritt sucht. Doch derzeit glänzt er besonders auffällig durch Abwesenheit. Wo steckt der umstrittene Machthaber? Lesen Sie hier mehr dazu.
Streit um Verlängerung des Beobachtermandats
Im UNO-Sicherheitsrat zeichnet sich unterdessen weiterhin keine Einigung in der Syrien-Frage ab. Nachdem eine Syrien-Resolution im Rat erneut gescheitert ist, wird dort nun über die Fortsetzung der umstrittenen Beobachtermission gestritten. Das Mandat der Beobachter vom April läuft heute ab.
Die rund 300 Beobachter sollten eigentlich eine Waffenruhe zwischen Regierungstruppen und bewaffneter Opposition überwachen. Die syrische Opposition kritisiert die Mission, weil Gewalt und Blutvergiessen nicht zurückgegangen sind, sondern zugenommen haben. Ausserdem war die Bewegungsfreiheit der Beobachter stark eingeschränkt. Sie klagten über Behinderungen durch den Sicherheitsapparat. Oftmals war die Situation aber auch schlicht zu gefährlich, um unbewaffnet in ein Kampfgebiet zu fahren.
(agenturen/krua;maiu)







