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International

Amoklauf bei US-Kinopremiere: Täter war Student der Neurowissenschaften

Freitag, 20. Juli 2012, 10:53 Uhr, Aktualisiert 21.07.2012, 3:14 Uhr

Ein Amokläufer hat bei einer nächtlichen Batman-Filmpremiere in einem Kino bei Denver im US-Bundesstaat Colorado 12 Menschen erschossen und 59 verletzt. Der schwer bewaffnete Täter trug eine Gasmaske wie der Bösewicht Bane in dem Actionfilm «The Dark Knight Rises».

Der ortsansässige Täter ist ersten Erkenntnissen zufolge ein «unbeschriebenes Blatt». Es gebe keine Polizeiaufzeichnungen über ihn, meldete «USA Today».

Täter-Familie zeigt sich betroffen

Der Täter ist nach Angaben der Behörden ein Student der Neurowissenschaften, der Schwierigkeiten bei der Jobsuche hatte. Wie die Universität in Denver mitteilte, war er für ein Doktorandenprogramm eingeschrieben. Allerdings sei er im Begriff gewesen, die Hochschule zu verlassen.

Massaker war lange geplant

Offensichtlich hatte der Student seine Tat von langer Hand vorbereitet: Waffen, massenhaft Munition und schusssichere Spezialkleidung hatte er in den vergangenen Monaten ganz legal erworben und seine Wohnung mit Sprengfallen präpariert.

Die Polizei veröffentlichte zudem eine schriftliche Stellungnahme der Familie des Festgenommenen. «Unsere Herzen sind mit jenen, die von dieser Tragödie betroffen sind», hiess es darin. Ein Nachbar der Familie bezeichnete den Täter als «gewöhnlich schüchtern».

Amokläufer tötet 12 Personen. (Tagesschau 20.7.2012, 19.30)

Über das Motiv des 24 Jahre alten Schützen, der nach dem Blutbad in der Stadt Aurora festgenommen wurde, herrschte Rätselraten.

Der junge Mann hatte den Kinosaal im US-Bundesstaat Colorado kurz nach Filmbeginn betreten und wild um sich geschossen, wie Augenzeugen erzählten. Zuvor habe er Tränengas in den Saal gesprüht. Unter den Zuschauern brach Panik aus.

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Die Bewohner von Aurora im US-Staat Colorado sind von der Tat geschockt. reuters

Kostüm und Maske

Der Täter trug neben der Bösewicht-Maske auch eine schusssichere Weste, wie der lokale Fernsehsender Kusa unter Berufung auf die Polizei berichtete. Auch von einem Kostüm war in einigen Medien die Rede. Bei der Festnahme auf einem Parkplatz hinter dem Kinokomplex habe er vier Schusswaffen bei sich getragen.

Videoaufnahmen von Zuschauern zeigten schreckliche Szenen: Menschen schrien und drängten zu den Ausgängen, einige waren blutüberströmt.

Viele der Verletzten hatten Schusswunden, einige erlitten Rauchvergiftungen, andere waren auch chemischen Substanzen ausgesetzt gewesen, wie Kusa berichtete. Polizeisprecher Frank Fania sagte, es sei sich nicht sicher, ob alle Wunden von Schüssen stammten. Einige sähen aus wie von Granatsplittern herrührend.

Kinder unter den Verletzten

Nach Angaben von Augenzeugen trat der Täter etwa eine Viertelstunde nach Beginn des Films durch einen Notausgang in den Kinosaal Nummer 9. «Der Typ kam über die Treppe und schoss sofort um sich», berichtete ein junger Mann CNN. Einige Kugeln durchschlugen die Wand zum Kinosaal nebenan.

Viele der zumeist jungen Premierengäste dachten zunächst, die Schüsse gehörten zum Film. «Ich habe zunächst überhaupt nicht begriffen, was los ist.» Unter den Verletzten sollen mehrere Kinder sein.

Auch ein drei Monate altes Baby wurde in einem Krankenhaus behandelt, hiess es weiter. Der lokale Polizeichef Dan Oates schilderte, zehn der Opfer seien im Kino gestorben, die zwei weiteren im Krankenhaus.

Bild Polizei vor der Wohnung des mutmasslichen Täters.
Vor der Wohnung des mutmasslichen Täters bringt sich die Polizei in Stellung. keystone

Der Sprecher der Polizei in Aurora, Frank Fania, sagte, der Mann habe sich ohne Widerstand festnehmen lassen. Nach der Tat wurde zunächst das Auto des Täters auf Sprengstoff untersucht, später auch seine Wohnung. Vorsichtshalber wurden dabei umliegende Appartements evakuiert. 

In der Wohnung soll entgegen anfangs widersprüchlichen Meldungen Fallen aus Sprengstoff gefunden worden sein. 

Täter wird am Montag vor Gericht stehen

Die Polizei schloss Terrorismus als Motiv aus und geht davon aus, dass der Täter allein handelte. Er sei der Polizei zuvor nicht aufgefallen, berichteten Medien unter Berufung auf Ermittlungsbeamte. Der Amokschütze soll am Montag einem Gericht vorgeführt werden.

Der Vorfall geschah zwei Tage vor dem ersten Jahrestag des Massakers von Utøya in Norwegen und ausserdem nicht weit entfernt vom Schauplatz des Amoklaufs an der Columbine High School im Jahr 1999. Dort hatten zwei Teenager 13 Menschen getötet und 23 weitere verletzt, bevor sie sich selbst erschossen.

Waffengesetz-Debatte wieder aufgeflammt

Das Blutbad löste eine Debatte über die Waffenkontrolle in den USA aus. Der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg rief Obama und dessen republikanischen Herausforderer bei der Präsidentenwahl, Mitt Romney, dazu auf, für eine Verschärfung der Waffengesetze zu sorgen.

Bloomberg ordnete nach CNN-Angaben zudem Sicherheitsvorkehrungen bei «Batman»-Vorführungen in seiner Stadt an. Das Filmteam selbst sagte geplante Werbeauftritte in Paris ab.

Erhöhte Sicherheitsvorkehrungen in Kinos

Später haben Behörden und Filmtheater landesweit die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. In Washington wurden Kinogänger auf Schildern auf Taschendurchsuchungen am Einlass hingewiesen.
 
Die USA-weit zweitgrösste Kinokette AMC teilte mit, dass die Sicherheitsvorkehrungen in ihren Häusern verstärkt würden und man eng mit den örtlichen Behörden zusammenarbeitete, damit sich die Kunden sicher fühlen könnten. Bis auf weiteres sei es in den AMC-Kinos nicht erlaubt, Gesichtsmasken zu tragen oder Spielzeugwaffen mitzubringen, hiess es mit Blick auf verkleidete Besucher –  vor allem Fans von Comic-Verfilmungen staffieren sich gern wie ihre Leinwandhelden aus.

Obama und Romney unterbrechen Wahlkampf

Unter dem Eindruck des Kino-Massakers von Colorado haben US-Präsident Barack Obama und sein republikanischer Herausforderer Mitt Romney auf neue scharfe Wahlkampf-Angriffe verzichtet.

In Colorado setzte Obamas Wahlkampf-Management zunächst alle Fernsehspots aus. Statt in Florida Wahlkampf zu machen, eilte der Präsident nach Washington ins Weisse Haus zurück. Für Obama sei dies die «angemessene Reaktion» gewesen, sagte der Sprecher seiner Wahlkampf-Kampagne.Das Wichtigste sei jetzt, sich auf die Trauer um die Opfer zu konzentrieren.

«Als amerikanische Familie zusammenstehen»

Statt der erwarteten Wahlkampfrede hielt Obama in Fort Myers in Florida nur eine kurze Ansprache. Ihm sei klar, dass viele Besucher eine Wahlkampfveranstaltung erwartet hätten. Doch die Nachrichten von der Tragödie müssten alle ermahnen, «als amerikanische Familie zusammenzustehen».

In New Hampshire gedachte auch Romney der Opfer, statt seine übliche Wahlkampfrede zu halten. «Ich stehe hier heute nicht als ein Bewerber um ein Amt, sondern als Vater, Grossvater, Ehemann und Amerikaner», erklärte er. Jetzt sei die Zeit, sich an die Liebe zu Amerika zu erinnern.

(sda/koua; frua)