Schweiz
Mieter laufen Sturm gegen Pensionskassen
Jetzt, wo es an den Aktienmärkten wenig zu holen gibt, sehen sich Pensionskassen nach anderen Einnahmequellen um. Das kann böse Folgen haben für Mieter. Denn einige Kassen sanieren nun ihre alten Liegenschaften und verlangen danach massiv höhere Mieten.
Wittlingerstrasse 130 in Basel. Die Mieter dieser Liegenschaft erhielten kürzlich einen Brief mit Zündstoff. Der Hauseigentümer, die Pensionskasse Basel-Stadt, kündigt ihren Mietvertrag auf Mitte nächstes Jahr. Begründung: Die Pensionskasse will die Liegenschaft gesamtsanieren und dazu müssten alle Mieter raus. Für die Anwohner ist dies ein schwerer Schlag: «Das ist meine Heimat, ich wüsste nicht, wo wir sonst hinkönnten», so Peter Hiltbrand gegenüber «10vor10».
Rendite steigern
Der Basler Mieterverband ist verärgert über die Kündigung. Die Pensionskasse verfolge damit nur ein Ziel: Mit der Immobilie nach der Sanierung eine höhere Rendite zu erzielen. Patrizia Bernasconi, die Geschäftsleiterin des Basler Verbands erklärt, wie das gehen soll: «Wenn man allen bisherigen Mietern kündigt, hat man die Möglichkeit, die Wohnungen zu sanieren und einer neuen Kundschaft zu vermieten. Mit einem neuen Mietvertrag kann dann ein viel höherer Mietzins erzielt werden».
Pensionskasse erklärt sich
Andreas Kressler von Immobilien Basel-Stadt, welche das Mandat für die Pensionskasse hat, erklärt, weshalb die Pensionskasse so handelt: «Es geht um die Verantwortung der Pensionskasse, dass sie ihre Immobilien, die Vermögenswerte sind, aktiv bewirtschaftet». Das brauche von Zeit zu Zeit umfassende bauliche Eingriffe und im Falle der Wittlingerstrasse 130 sei eine Gesamtsanierung unbedingt nötig. Die Pensionskasse sei aber darum bemüht, für sämtliche Bewohner eine gute Lösung zu finden.
Problem auch in Zürich
Auch in der Stadt Zürich würde der Druck der Pensionskassen auf Mieter immer höher, sagt der Mieterverband der Stadt. Geschäftsleiterin Felicitas Huggenberger sagt: «Wir erleben es immer wieder, dass in grossen Überbauungen, in denen lange nichts gemacht wurde, entweder saniert wird und es danach zu happigen Mietzinsaufschlägen kommt. Oder aber es wird gleich gekündigt, wie eben in Basel und die Pensionskasse sucht sich danach eine ganz andere Mieterschaft im Luxussegment.»
Seitens der angesprochenen Pensionskassen wird jedoch betont, dass sich die neuen Mietzinse stets nach Orts- und Quartierüblichkeit ausrichten würden und damit durchaus gerechtfertigt seien.



