Inhalt

Wirtschaft

Libor-Skandal: Widersprüchliche Aussagen der Befragten

Dienstag, 17. Juli 2012, 12:22 Uhr, Aktualisiert 16:08 Uhr

In der Affäre um Zinsmanipulationen durch Grossbanken weist der Notenbankchef jegliche Mitschuld von sich. Zuvor hatte ein Ex-Manager der britischen Bank Barclays Fälschungen zugegeben. Er beschuldigte Ex-Barclays-Chef Bob Diamond, Mitarbeiter zu Zinsmanipulationen angestiftet zu haben.

Bild

Im Bankenskandal um Zinsmanipulationen weisen die obersten britischen Finanzaufseher jede Verantwortung von sich. «Wir haben das erste Mal von mutmasslichem Fehlverhalten erfahren, als die offiziellen Berichte vor zwei Wochen herausgekommen sind», sagte der Präsident der britischen Notenbank, Mervyn King, heute bei einer Anhörung des parlamentarischen Finanzausschusses.

«Wir haben das erste Mal von mutmasslichem Fehlverhalten erfahren, als die offiziellen Berichte vor zwei Wochen herausgekommen sind.»
Der Präsident der britischen Notenbank, Mervyn King

King wehrte sich mit den Aussagen gegen die Darstellung der britischen Grossbank Barclays, wonach die Bank von England die Libor-Manipulationen vor einigen Jahren gebilligt haben soll. Dadurch ist die Notenbank unter Druck geraten. Der Bankenskandal ist in Grossbritannien zu einem Politikum geworden.

Gefundenes Fressen für Kritiker

Die Vorwürfe gegen die Aufseher bekamen gestern neue Nahrung, nachdem ein Ex-Manager von Barclays in einer Anhörung Details zu den Zinsverzerrungen preisgegeben hatte. Er habe Mitarbeiter zur Meldung von künstlich niedrigen Zinssätzen angewiesen, räumte der kürzlich zurückgetretene Bankvorstand Jerry del Missier ein.

Bild Ex-Manager von Barclays Jerry del Missier (links)
Jerry del Missier (l.) kam gestern zur Anhörung. reuters

Dabei habe er auf Anweisung von Barclays-Chef Bob Diamond gehandelt. Auch Diamond musste wegen des Skandals seinen Hut nehmen. Dieser hat jedoch erklärt, keine Anweisungen zur Übermittlung falscher Zinsen gegeben zu haben.

Doch Del Missier betonte, Diamond habe ihm gesagt, die Notenbank und die britische Regierung seien besorgt über die relativ hohen Zinskosten von Barclays. Sie wollten daher, dass die Bank niedrigere Sätze melde.

Im Zentrum des Skandals steht der täglich in London ermittelte Referenz-Zinssatz Libor. Er dient als Grundlage für Finanztransaktionen wie Hypotheken und Derivate im Gesamtvolumen von 360 Billionen Dollar. Der Libor basiert auf den Angaben der Banken zu ihren Refinanzierungskosten am Geldmarkt.

Busse von einer halben Milliarde Dollar

Barclays hat als erstes Institut eingeräumt, mit falschen Angaben die Zinsen manipuliert zu haben. Die Bank wurde daraufhin zu einer Strafe von knapp einer halben Milliarde Dollar verdonnert.

(sda/mihm;buev)