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Korruptions-Experte: «Die Schweiz hätte Druck auf Fifa ausüben sollen»

Dienstag, 17. Juli 2012, 16:26 Uhr

Die Reaktionen nach den heutigen Fifa-Entscheiden sind gespalten. In der Schweiz rückt derweil die Diskussion um eine neue Gesetzgebung gegen Korruption in Vereinen in den Vordergrund. Mark Pieth, Korruptions-Experte mit Fifa-Mandat, glaubt jedoch nicht an den Erfolg politischer Anpassungen.

«Die Schweiz hätte mehr Druck auf die Fifa ausüben sollen», bilanziert Mark Pieth. Ende November 2011 hatte die Fifa den Basler Korruptions-Experten Pieth zum Vorsitzenden ihrer internen «unabhängigen Governance-Kommission» ernannt.

Der Strafrechtsprofessor erarbeitete Vorschläge, über die die Fifa-Exekutive heute nun abgestimmt hat. Die Pläne der politischen Vorstösse seien zu weit gefasst, so Pieth. So sei auch mit maximalem Widerstand zu rechnen. Er würde eine strengere Gesetze ausschliesslich für Sportvereine eher begrüssen.

Korruptions-Experte Pieth: «Die Schweiz hät Druck ausüben sollenn»

«Darüber zu sprechen ist das Eine», erklärt die Organisation Transparency International gegenüber «SF Online» die heutigen Entscheide der Fifa. «Wichtig ist aber die Umsetzung». Die Organisation zeigt sich erfreut, dass über mehr Transparenz gesprochen wird und die Öffentlichkeit sensibilisiert wird.

Blatter «unglaubwürdig» 

«Es klingt alles toll und wunderbar, zukunftsgerichtet», sagt Fifa-Experte Jean François Tanda gegenüber der «Tagesschau». Trotzdem zweifle er daran, dass die Fifa auch tatsächlich umsetze, was sie heute versprochen habe.

Fifa-Experte Jean François Tanda: «Ich glaube nicht alles, was Blatter sagt.»

Transparency fordert im Zuge der neuen Regularien die Absetzung des umstrittenen Fifa-Chefs Blatter. Er sei nicht mehr glaubwürdig, um diesen Reformen vorzustehen. Aber auch vom Bund erwartet die Organisation Anpassungen.

«Von der Schweiz erwarten wir nun das Privatkorruption von Privatpersonen, Unternehmen und Verein endlich ins Strafgesetzbuch aufgenommen und als Offizialdelikt deklariert wird», so die Sprecherin.

Bund gefordert

Auch von parlamentarischer Seite steigt der Druck. Mit einer parlamentarischen Initiative fordert der Genfer SP-Nationalrat Carlo Sommaruga, dass Bestechung künftig als Offizialdelikt geahndet wird.

Bislang ist Bestechung nur in Geschäftsbeziehungen strafbar, die Fifa wird aber wie die Uefa und viele weitere Nichtregierungsorganisationen auch nach Vereinsrecht beurteilt. Der Vorstoss wurde von den Rechtskommissionen des National- und Ständerats gutgeheissen.

Gesetzesentwurf soll im Frühling vorliegen

Das Justizdepartement ist nun dran an der Ausschaffung einer solchen Gesetzesanpassung, wie das Departement gegenüber der «Tagesschau» erklärt. Bis im Frühling soll ein Entwurf vorliegen, so dass der Staat in solchen Fällen von sich aus ermitteln könne.

Der Nationalrat der Grünen, Daniel Vischer, Mitglied der Rechtskommission hat den parlamentarischen Vorstoss durchgewunken. Er zeigt sich trotzdem kritisch. Es sei wichtig, dass der Bund handelt. «Wenn die Fifa jetzt aber innerhalb der Ethik-Kommission Massnahmen ergreift, nimmt der Druck für weitreichende Änderungen wieder ab.»

(sf/koua;fref)