Vermischtes
Blatter bleibt und nimmt Kampf gegen Korruption auf
Der umstrittene Fifa-Chef Joseph Blatter kommt den zahlreichen Forderungen nach seinem Rücktritt nicht nach und treibt stattdessen seine eigenen Reformen im heftig kritisierten Fussball-Weltverband weiter voran.
Das Exekutivkomitee ernannte den deutschen Richter Joachim Eckert und den amerikanischen Staatsanwalt Michael Garcia anstelle des favorisierten Argentiniers Luis Moreno Ocampo zu den Vorsitzenden der beiden Kammern der neuen Ethikkommission. Diese soll den Kampf gegen die Korruption in der Fifa voranbringen.
Das Zwei-Kammer-System kam auf Vorschlag von Mark Pieth, dem Vorsitzenden des Independent Governance Committee (IGC), zustande. Pieth verhalf Blatter damit zu einem Prestigeerfolg.
Die Beschlüsse der Fifa
- Das Exekutiv-Komitee des Weltverbandes stimmt der Bildung einer Ethik-Kommission zu.
- Wichtigste Änderung im neuen Ethik-Regelwerk: Für Korruption und Bestechung soll es neu keine Verjährung geben. Der Entwurf des Statuts sah eine Verjährung nach 20 Jahren vor.
- Den Vorsitz der Ethik-Kommission sollen der Amerikaner Michael Garcia (Untersuchungskammer) und der Deutsche Hans-Joachim Eckert (rechtsprechende Kammer) übernehmen.
- Die Kommission wird ihre erste Tagung am Donnerstag, 9. August, abhalten.
Blatter selber wertete seinen Erfolg als Zwischenziel der im vergangenen Oktober festgelegten Road Map der Fifa. «Heute sehen Sie einen glücklichen Präsidenten, sagte Blatter. Das Exekutiv-Komitee zeigt im Reformprozess unseres Verbandes Geschlossenheit und Solidarität. Ich als Präsident werde diesen Reformprozess weiter begleiten.»
Rücktritt kein Thema
Die neuesten Enthüllungen im Fifa-Bestechungsskandal und auch sein möglicher Rücktritt waren nach Angaben des Schweizers kein Thema bei der Sitzung des Exekutivkomitees. «Über die Position des Fifa-Präsidenten kann nur der Kongress entscheiden», sagte Blatter.
Der 64 Jahre alte Eckert leitet die 6. Strafkammer des Landgerichts München und ist dort auf Wirtschaftsverfahren spezialisiert. Er soll in einer juristisch ähnlichen Konstruktion wie beim Deutschen Fussball-Bund ein Sportgericht der Fifa leiten.
Garcia arbeitet in den USA als Ankläger und war in dieser Funktion unter anderem auch im Doping-Prozess gegen die frühere Sprint-Olympiasiegerin Marion Jones tätig. Er soll in der Ethikkommission einer Art Kontrollausschuss vorsitzen. «Die Vorsitzenden der beiden Kammern sind komplett unabhängig», sagte Blatter. Die Fifa werde allen Entscheidungen der neuen Ethikkommission folgen.
Blatter: «Weiss nichts»
Nach Angaben von Fifa-Präsident Blatter hat es in der Affäre um die mittlerweile insolvente Schweizer Marketingfirma ISMM/ISL keine Schmiergeldzahlungen an weitere Funktionäre des Fussball-Weltverbandes gegeben. «Ich weiss und wusste nichts von weiteren Personen», sagte der 76 Jahre alte Schweizer. In der vergangenen Woche war bekanntgeworden, dass der ehemalige Fifa-Präsident Joao Havelange und dessen brasilianischer Landsmann Ricardo Teixeira vor Jahren von der Marketingfirma ISMM/ISL Schmiergeld in Millionenhöhe kassiert hatten.
(dpa/koua;krua)






