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International

Tunesiens Muslimbrüder geben sich moderat

Montag, 16. Juli 2012, 4:47 Uhr, Aktualisiert 05:47 Uhr

In Tunesien hat sich die Ennahda-Partei an einem Kongress von rund tausend Delegierten zu einem moderaten Kurs bekannt. Sie sprach sich für ein parlamentarisches System aus.

Bild Premier Hamadi Jebali
Tunesiens Ministerpräsident Hamadi Jebali: Ennahda auf einer Gratwanderung zwischen Parteibasis und breiter Wählerschaft. reuters

Nach viertägigen Debatten verabschiedeten die Teilnehmer eine Erklärung, in der die Partei sich auf einen Kurs der Mitte festlegt.

Der Präsident des Parteikongresses, Abdellatif Mekki, sagte auf einer Pressekonferenz, die Partei wolle das Gleichgewicht zwischen «der Rolle des Staates und der Zivilgesellschaft wiederherstellen, um eine totale Kontrolle des Staates zu vermeiden».

Nach Jahrzehnten der Untergrundarbeit gegen den tunesischen Präsidenten Zine al-Abidine Ben Ali bildet die Ennahda in der aktuellen Verfassunggebenden Versammlung zusammen mit dem linksnationalen Kongress für die Republik (CPR) und der ebenfalls säkularen Ettakatol-Partei eine Koalition.

Der Ennahda-Kongress fand in Le Kram in den Aussenbezirken von Tunis statt. Seit 1988 und bis zum Sturz Ben Alis im Januar 2011 war die Ennahda eine Untergrundbewegung.

Kein islamischer Fundamentalismus

Vor den Wahlen im März 2013 will sie sich als Regierungspartei etablieren. Es gibt aber in der Bewegung auch Kräfte, die sich für die Ausrufung eines streng islamischen Staates mit der Scharia als Rechtsnorm aussprechen.

Staatspräsident Moncef Marzouki hatte aus Anlass des Parteikongresses gesagt, sein Land sei nicht vom islamischen Fundamentalismus bedroht.

Der Salafismus sei ein «lästiger» Störfaktor, der jedoch keine ernste Bedrohung des Staates darstelle, sagte Marzouki. Die führenden Köpfe der Ennahda seien in den 1980er und 1990er Jahren zur Demokratie «bekehrt» worden, die Partei entspreche heute in etwa den christdemokratischen Parteien in Europa.

(sda/weis)