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International

NS-Kriegsverbrecher in Ungarn aufgespürt

Montag, 16. Juli 2012, 0:16 Uhr

Er steht auf der Fahndungsliste des Wiesenthal-Zentrums ganz oben und soll für die Deportation von bis zu 16'000 Juden verantwortlich sein: Nun wurde László Csatáry entdeckt. Ein britisches Reporter-Team stellte den 97jährigen in Budapest.

Bild screenshot thesun.co.uk
Einer der meistgesuchten Kriegsverbrecher: László Csatáry soll sich laut «The Sun» in Budapest aufhalten. thesun.co.uk /screenshot

Der mutmassliche Nazi-Kriegsverbrecher László Csatáry ist nach Informationen des Simon Wiesenthal Zentrums aufgespürt worden. Wie das Jerusalemer Büro des Wiesenthal-Zentrums mitteilte, wurde der 97jährige von der britischen Boulevard-Zeitung «The Sun» in der ungarischen Hauptstadt Budapest fotografiert und gefilmt.

Csatáry steht auf der Liste der gesuchten Weltkriegs-Verbrecher des Wiesenthal-Zentrums ganz oben. Er soll als Polizeichef von Kosice im ungarisch besetzten Teil der Slowakei im Frühjahr 1944 eine wichtige Rolle bei der Deportation von 15'700 Juden ins Vernichtungslager Auschwitz gehabt haben und damit für ihren sicheren Tod mitverantwortlich sein. Zudem soll er sich durch besondere Brutalität ausgezeichnet haben.

Flucht nach Kanada, dann Ungarn

1949 flüchtete Csatáry nach Informationen des Wiesenthal-Zentrums nach Kanada, nachdem er 1948 in der Tschechoslowakei in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden war. In Kanada hatte er als Kunsthändler in Montréal und Toronto gelebt, bevor er von den dortigen Behörden enttarnt wurde und sich nach Ungarn absetzte.

Die Informationen über Csatáry wurden vom Direktor des Wiesenthal-Zentrums in Jerusalem, Efraim Zuroff, veröffentlicht. Zuroff sagte, die «Sun» habe sich bei ihren Recherchen auf Informationen gestützt, die vom Wiesenthal-Zentrum im September 2011 herausgegeben wurden.

Damals habe ein Informant, dem inzwischen eine Belohnung von 25'000 Dollar gezahlt worden sei, es ermöglicht, den Aufenthaltsort Csatárys zu bestimmen. Laut «The Sun» lebt der 97jährige in einer Zwei-Zimmer-Wohnung. «Ich habe nichts gemacht, verschwindet!», habe er zu den Reportern gesagt, bevor er die Tür zuschlug.

Neue Kampagne zur Enttarnung

Zuroff hatte im Dezember auch in Berlin eine neue Kampagne zur Enttarnung und Verurteilung noch lebender NS-Verbrecher mit Hilfe örtlicher Ermittlungsbehörden vorgestellt.

Das Simon-Wiesenthal-Zentrum arbeitet bei der Kampagne mit der Targum-Shlishi-Stiftung in den USA zusammen. Die Kampagne soll Ermittlungsbehörden dabei unterstützen, Kriegsverbrecher in Deutschland, Österreich, Polen, Rumänien, Ungarn, Kroatien und den baltischen Staaten zu finden.

Das Wiesenthal-Zentrum übergab seine Informationen der Staatsanwaltschaft in Budapest. Vize-Staatsanwalt Jenö Varga konnte zu dem Fall keine Einzelheiten mitteilen. Er sagte lediglich, eine «Untersuchung» sei im Gange, die Staatsanwaltschaft werte die «eingegangenen Informationen aus».

(sda/sf/weis; kunb)